Samhain

Der Herbst ist eine Zeit, die ihren eigenen, ganz besonderen Zauber versprüht.
Wenn morgens Nebelschwaden über dem Land hängen, das Laub in tiefen Farben leuchtet, die Bäume mit Reif bedeck sind und die Luft kühl und klar unsere Lungen erfrischt, dann beginnt allmählich die Ruhe zum Ende des Jahres. Die Besinnlichkeit des nahenden Winters lässt uns einmal mehr erahnen, dass sich die Welt im ewigen Wandel zwischen Vergänglichkeit und Neubeginn befindet.
Was passt da besser als ein Jahrestag, wie er mystischer nicht sein kann.

Das Samhain, dieses ursprünglich keltische Fest, als heidnisches Fest zu verdammen ist, das ist fast schon eine immer wiederkehrende jährliche Tradition, doch der Ursprung gerade dieses speziellen Tages wurde letztlich sogar von der christlichen Religion indirekt übernommen.

Für viele Hexen ist dieser Tag der Beginn eines neuen Jahres; für mich hingegen endet mit diesem Tag eine Zeit, denn mit Samhain beginnt die Dunkelheit. Die neue Zeitrechnung, also das neue Jahr, beginnt zu Yule im Dezember.

Licht spielt in dieser Zeit der Dunkelheit also eine große Rolle., wobei ich damit keine Festtagsbeleuchtung meine, sondern eher ein immerwährendes gedämpftes Licht.
Jeden Abend bis Yule steht eine brennende Kerze vor dem Fenster. Das Licht dieser Kerze soll den Ahnen den Weg weisen, denn, das ist mein fester Glaube, die Ahnen sind stets bei uns – und gerade zu Samhain noch näher als sonst.

Aus diesem Grund ist auch eines meiner seltenen Rituale auf die Ahnen ausgerichtet.
Nach gründlicher Vorbereitung begebe ich mich in eine tiefe Meditation, was an diesem Tag meiner Ansicht nach besser funktioniert als es sonst der Fall ist.
Ich lasse mich mental vollständig fallen und beginner so gestärkt den zweiten Teil des Rituals, wobei das Grundthema identisch ist wie in der Meditation.

Ich verlasse den Kreis, in dem ich bereits meditiert habe, nicht. Um mich herum hatte ich vorher drei Kerzen platziert, die ich nun der Reihe nach anzünde.
Während ich dieses tue bedanke ich mit jeder Kerze für das, was ich in den letzten Wochen und Monaten erleben und empfangen durfte.
In einer kleinen Schale lasse ich nun verschiedene Kräuter langsam vor sich hin glimmen und begebe mich erneut in eine leichte Meditation.
Dieses hat den Zweck mich von allem zu lösen was mich bis dahin belastet hat, denn für die kommenden Wochen ist Ballast dieser Art noch überflüssiger als eh schon.
Am Ende bedanke ich mich, verlasse den Kreis und lasse die Glut in der Schale am Fenster vor sich hin glimmen.

Für die kommenden Wochen wird mein Buch nun noch wichtiger für mich, denn von nun an schreibe ich, fast täglich, meine Eindrücke des Tages hinein.
Dieses dient der eigenen Reflexion, aber auch dem Schutz, denn hier kommt in mir das durch, was viele als meine magische Seite betrachten.
Wie auch bei den anderen Jahrestagen, so sehe ich Samhain als den Beginn einer Zeit, die bis zum nächsten Jahrestag geht, aber gerade diese nächsten Wochen sind für mich die Heiligsten überhaupt.
Nun, wo die Nacht das Sagen hat und damit den Übergang von dem Alten in das Neue symbolisiert, ist es fast schon normal, das man sich innerlich mit sich selbst beschäftigt. Böse Gedanken und negative Energien können leichter Fuß fassen als im übrigen Jahr.
Dem gilt es vorzubeugen.

Man darf nicht vergessen, dass es ohne den Tod kein Leben geben würde, und in der Nacht ist uns der Tod grundsätzlich näher als am Tag.
Zu Samhain sind die Tore zu jener Welt, die viele schlicht die Anderwelt nennen, besonders weit geöffnet.
In Zeit, wo sich alles Leben, das Alte und das Neue, ist alles möglich. Es gibt keine Gesetze und Regeln. Die Anderwelt besucht die Menschen und die Menschen treten mit Hilfe von Trance, Rausch und Ekstase in die Welt der Ahnen.

Samhain, diese wunderbare Zeit, ist für mich gleichzeitig auf eine Zeit, die jetzt immer näher rückt – Yule.
Das jedoch ist ein anderer Beitrag, der in Kürze folgen wird.

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