Yule und die Rauhnächte

Wie schon immer wieder erwähnt betrachte ich das Jahr als eine Ansammlung von verschiedenen Zeiten.
Manche betrachten Samhain, Yule, Mabon etc als einzelne Tage – für mich hingegen ist dieser Tag lediglich der Beginn einer Zeit, und nun, ich schreibe diesen Text in der letzten Hälfte von Samhain, kann ich anhand eines praktischen Beispiels auch deutlich machen weshalb es so bei mir ist.

Die letzte Hälfte von Samhain ist bei mir voll mit Vorbereitungen für Yule.
Das bedeutet hauptsächlich, das ich die Wohnung schmücke mit allem, was die Natur noch so bietet.
Außerdem backe ich sehr viel.
Nicht nur die üblichen Kekse, sondern auch eine Art Waffelkeks, die nach guter alter Tradition Neujahrskuchen genannt werden.

Genau so eine Tradition ist es, das die ersten dieser Machwerke erst zum Yuletag gegessen werden.

Aber was genau ist nun eigentlich der YuleTag und die anschließende YuleZeit?
Yule beendet die „Zeit zwischen den Welten” die nach Samhain begann. Die dunkle Zeit wird an diesem Tag verabschiedet, denn von nun an wird es wieder heller.
Der Winter fängt zwar offiziell erst an, aber die länger werdenden Tage machen Hoffnung und weisen auf die wärmere Jahreszeit hin, welche schon bald wieder anbrechen wird.

Die einsetzende Wintersonnenwende ist quasi der Höhepunkt der Dunkelheit und findet zwischen dem 20. und dem 23. Dezember statt.
Das Licht verdrängt nun allmählich die Dunkelheit, weswegen die Yulezeit auch als Abschied von all dem, was im Samhain zurück gelassen wurde, gesehen werden kann.
Für manche, auch für mich, ist es der Beginn einer neuen Zeit, und genauso wird diese Zeit gefeiert
Es ist, anders als Samhain, ein lautes und helles Fest.
Die Wohnung wird mit all dem geschmückt was die Natur zu dieser Jahreszeit so bietet. Typisch hier sind traditionelle Pflanzen wie Mistel, Stechpalme, Tannenzweige, Zeder, Salbei oder Wacholder.
Außerdem werden überall in der Wohnung Kerzen aufgestellt und angezündet.
Das Feuer der Kerzen steht dabei symbolisch für das nun wiederkehrende Licht und gleichzeitig für das Verbrennen des negativen Alten, was bei jeder Kerze mit einer Bitte und Danksagung an die Ahnen verbunden ist.
Die Farben der Kerzen sind dabei, ebenso wie die Pflanzen, typisch für diese Zeit, also rot, weiß, grün und gold.

Ein nicht unwesentlicher Teil der YuleZeit sind die sogenannten Raunächte.
Die Bezeichnung Rauhnächte kommt von rauh (wie wild), von Rauch oder Räuchern.
Früher wurde das Haus vom negativen befreit, indem man es ausgeräuchert hat, also mit Räucherwerk, magischen Handlungen, Brandopfern oder kleinen Feuern im Garten.
Ein Überbleibsel dieser Bräuche finden wir übrigens heute noch, und das nicht nur in den Kirchen, denn die sogenannten Rauchermännchen finden man immer wieder auf den Weihnachtsmärkten
Da diese Nächte etwas ganz besonderes sind, immerhin sind sie die Ersten des wiederkehrenden Lichts, ist es auch eine gute Zeit um sich die Träume in diesen Nächten gut zumerken und am besten aufzuschreiben, denn viele dieser Träume enthalten wichtige Botschaften oder geben eine Antwort auf Probleme oder Sorgen.

Vom 25. Dezember bis zum 6. Januar gibt es diese zwölf ganz speziellen Nächte, in denen, so der alte Glaube, alles möglich ist.
Die jeweilige Nacht steht stellvertretend für einen Monat, und früher glaubte man, das alles, was einem an einem dieser Tage oder Nächte begegnet, passiert oder auch als Idee einfällt, sich in dem entsprechenden Monat auch erfüllt.
Deswegen habe ich für mich auch damals die Meditation entdeckt, und gerade während der Rauhnächte meditiere ich häufiger als zuvor, denn für mich ist diese Zeit, in der die Dunkelheit quasi in den letzten Zügen liegt, sehr kraftvoll.

Wenn man die Rauhnächte mal in Beziehung zu sich und dem Inneren stellt, dann wird einem deutlich, dass man sich selbst als Schöpfer des Lebens erkennt.
Jeder von uns kreiert sein eigenes Leben, und um sich dessen bewusst zu sein sind die Rauhnächte am besten geeignet.
An diesen Tagen sollte man, je nach Möglichkeit, sich auf jeden Fall auf eine Neubestimmung oder weiterführende Pläne für das neue Jahr, den neuen Lebensabschnitt, finden.

Aus genau diesem Grund fange ich weit vor dem YuleTag eine kleine Liste mit den Dingen an, die mir für das kommende Jahr wichtig sind und die ich erreichen möchte.
Das sind, um Missverständnissen vorzubeugen, keine Vorsätze. Vielmehr ist es für mich eine Offenlegung meiner Gedanken und Wünsche.
Realismus spielt dabei eine große Rolle.

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