Mal einen Tag auf Helgoland verbringen, das haben schon viele Menschen unternommen; und auch ich selbst gehöre zu dieser Gruppe, jedoch war es nie meine hauptsächliche Absicht um dort günstig einzukaufen, denn auch wenn man auf Helgoland sicherlich das eine oder andere Schnäppchen machen kann, so sind die hauptsächlichen Produkte, die man dort so kauft, nicht günstiger als auf dem Festland.Sicherlich, eine Stange Zigaretten meiner Lieblingsmarke kostet 35 Euro, und ist damit gegenüber den 63 Euro, die ich hier in Hamburg bezahle, erheblich günstiger.
Nur, Helgoland ist eine Insel, weswegen man mal nicht ebenso dorthin kommt.
Es kommen also noch weitere Kosten hinzu, und wenn man diese summiert, dann ist, um bei dem Beispiel der Zigaretten zu bleiben, nichts mehr günstig – ganz im Gegenteil.
Plötzlich ist die Stange Zigaretten auf dem Festland also günstiger.
Deswegen bin ich auch nie nach Helgoland gefahren. Mich hat Immer die Insel als solche interessiert, und es schon immer ein Wunsch von mir, einfache mal ein paar Tage auf der Hochseeinsel zu verbringen.
Ein Wunsch, den ich mir nun endlich erfüllt hatte.
Ja, Helgoland ist eindeutig mehr wert als nur mal kurz hinfahren, Zigaretten, Kaffee und Schnaps kaufen und dann nach ein paar Stunden wieder zurück fahren.
Den wirklichen Charme merkt man nämlich erst dann, wenn die Tagestouristen weg sind und die Geschäfte geschlossen haben.
Erst dann habe ich die Seele Helgolands gespürt, und um das besser zu verstehen sei mir ein kurzer Griff in die Kiste der Vergangenheit gestattet.Helgoland war, anders als heute, einst Teil der Marsch
Erst mit dem Ende der letzten Eiszeit, als die Gletscher sich zurückzogen, stieg der Meeresspiegel nach und nach bis schließlich auch der Rote Fels vom Wasser umgeben war.Allerdings gab es damals eine Besonderheit, denn neben dem roten Fels gab es auch ein Kliff aus weißem Kalkstein, welches nach und nach immer weiter verschwand.
Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass man Helgoland als Heilig bezeichnet hat.
Im Laufe der Jahre hat sich Helgoland verändert, wobei der Mensch erheblich dazu beitragen hat.
Und das soweit, dass man heute, anders als auf anderen Inseln, nichts mehr von der Vergangenheit sehen kann.
Und doch kann man es spüren wenn man es denn will.
Dazu reicht aber nicht ein Tag, denn eine Art Zeitdruck sorgt dafür, dass man die Insel als Insel wahrnimmt, aber man geht nicht in das Innere.Nein, dazu braucht es schon mehrere Tage, denn erst wenn die Touristenströme wieder weg sind und die Insel zur Ruhe kommt – erst dann kann man das spüren, was ich gerne als Seele der Insel bezeichnet.Erst wenn Ruhe eingekehrt ist, dann spürt man das Heilige hier, das Eins sein mit der Natur, und erst dann hat man die Möglichkeit zu sich selbst zu kommen.Und das geht auf beiden Inseln – Helgoland und der vorgelagerten Düne.
Auf Helgoland selbst ist es die Abgeschiedenheit auf dem Oberland, und hier in dem Teil, den der Mensch nicht bebaut hat.
Hier, inmitten von Vogelschwärmen, zu meditieren ist eine Wohltat.
Sich einfach auf eine Bank setzen, die Augen schließen und den Geist auf Reisen schicken – das ist mir nur hier gelungen.
Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass man hier, anders als zum Beispiel auf Amrum, wirklich komplett vom Wasser umgeben ist, denn schließlich ist Helgoland eine Hochseeinsel.Auf Amrum kann man jederzeit das Festland zumindest erahnen; auf Helgoland ist rundherum einfach nur Wasser.
Das sorgt dafür, dass man sich mental wirklich mit sich selbst beschäftigen muss, und das hat mir eine Meditation gebracht, wie ich sie bis dahin nur selten erlebt habe.
Das betrifft übrigens auch die Sonnenuntergänge.
Ja, ich habe schon viele gesehen, aber hier war dieser Augenblick voller dem, was man gemeinhin als magisch bezeichnet.Apropos magisch.
Es gibt auf Helgoland etwas, das man schon immer als magisch, beziehungsweise heilig betrachtet hat.
Ja, ich meine den roten Feuerstein, den man wirklich nur hier finden kann, denn es gibt ihn meines Wissens nach an keinem anderen Ort dieser Welt.
Immer wenn ich als Tagestourist hier war, dann habe ich mir einen gekauft, doch nun wollte ich die Gelegenheit nutzen um meinen eigenen Stein zu finden.
Und das ist mir mehr als nur einmal gelungen, denn auf der Düne, abseits vom Badestrand, liegen unter anderem diese Steine.
Sicherlich, man erkennt nur die wenigsten auf dem ersten Blick, aber hey – man hat Zeit, und die kann man nutzen, doch die Düne ist nicht nur der perfekte Ort um diese heiligen Steine zu suchen.Die Düne ist auch ein Ort zum Baden, zum innehalten – und der perfekte Ort um Seehunde und Kegelrobben zu beobachten.
Hier ist mir tatsächlich etwas passiert, was ich noch nie erlebt hatte.
Durch einen Unfall bin ich hin und wieder auf einen Stock angewiesen, denn es passiert, dass mein linkes Bein immer wieder mal wegsackt.
Aus diesem Grund ist mir leider auch nicht mehr möglich zu schwimmen.
Allerdings gehe ich mit den Füssen ins Wasser, so auch in diesem Fall, als plötzlich neben mir ein Seehund auftauchte.
Es ist einer dieser Augenblicke, die sprachlos machen, und nachdem wir uns eine gewisse Zeit gegenseitig angestarrt hatten, verschwand das Tier wieder.Dieses Erlebnis hat mir wieder einmal deutlich gemacht, das die Menschheit nur ein kleiner Teil dieses Planeten ist.
Und im Grunde genommen sollten wir uns schämen, das wir so dermaßen mit dem umgehen was wir bekommen haben und was wir an die nachfolgenden Generationen weiter geben werden.
Auf Helgoland kann man, wenn man es denn möchte, sich komplett den Elementen öffnen, und ich wünsche jedem, der diese Erfahrung bisher noch nicht machen durfte, daß er es zumindest einmal in seinem Leben spüren wird.


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