Fiktives Reisetagebuch Frühjahr 2021

1. Tag

Die Ankunft

Das die deutsche Bahn gelegentlich einen merkwürdigen Humor hat, das weiß ich ja schon seit längerem.
Neu ist, dass es auch öffentlich gemacht wird.

Diesen Eindruck hatte ich zumindest, als ich den Zug sah, der für die Fahrt nach Westerland bereit gestellt wurde.

Nunja, auch wenn die Fahrt verspätet losging, offensichtlich hatte der Lokführer Probleme mit dieser alten Technik, denn er brachte den Zug einfach nicht zum fahren, hatte ich in Niebüll dennoch Zeit mir meine obligatorischen Zigarillos zu besorgen – und in Dagebüll reichte es sogar noch für einen Kaffee am Anleger.

Die Fähre war fast leer, aber das wunderte mich nicht, denn zu dieser Zeit kommen nur wenige Menschen nach Amrum.
Das allerdings wundert mich, denn gerade jetzt, im Übergang zwischen Winter und Frühling, hat Amrum einen ganz eigenen Charme und präsentiert sich von einer völlig anderen Seite.

Die Ferienwohnung in Nebel (wo auch sonst) ist charmant, um es milde zu formulieren, und ich freue mich schon auf meinen morgendlichen Blick auf das Watt.

Der eigentliche Augenschmauß der Wohnung ist aber nicht nur die Sauna im Keller, sondern auch der Kaminofen.

Aus Erfahrung weiß ich, dass es hier recht kühl sein kann, und dieser Ofen wird mir ganz bestimmt warme Abende beschehren.

2. Tag

Einfach die Insel genießen

Der morgendliche Blick auf das Watt ist noch besser als ich vermutet hatte.
Da stören die dunklen Wolken überhaupt nicht, im Gegenteil.

Amrum bedeutet für mich in erster Linie Erholung, und die finde ich hier zuhauf.
Beim Spaziergang einfach die Umgebung auf sich wirken lassen, perfekt.

So war es auch heute.
Einfach losgehen, ohne Ziel.
Und nun, den Abend, nach der Sauna vor dem Kaminofen verbringen.
Herrlich, denn draußen sind die Temperaturen gefühlt wieder nachts unter Null Grad.

3. Tag

Nebel

Wer Seenebel noch nie erlebt hat, der kann die Gefahr dieses Augenblicks niemals abschätzen.
Zum Glück befand ich mich nicht am Strand, als innerhalb von Minuten alles um mich herum einfach nur grau war.

Am Deich an der Wattseite hatte ich genügend Orientierungspunkte, die ich durch die graue Wand gerade noch einigermaßen erkennen konnte.

Hier auf Amrum hatte ich schon so manches erlebt, aber ein richtiger Seenebel war schon lange nicht mehr da.

Hier macht sich wieder einmal die Tatsache des Kaminofens positiv bemerkbar.
Sicherlich, der Met ist nicht der, den ich zuhause immer trinke, aber es ist Met.

Vierter Tag

Nebel 2.0

Auch heute beherrschte Nebel fast den ganzen Tag, doch wie schon gestern hatte es mich auch heute nicht gestört, im Gegenteil.

Die Atmosphäre am Hafen war so einmalig, sowsd muß man einfach erlebt haben.

Amrum ist und bleibt eine Schönheit, egal bei welchem Wetter und egal bei welchen Temperaturen.

Die kann man abends am Kaminofen herrlich vergessen.

Fünfter Tag

Amrum von oben

Wenn man Amrum von oben betrachten möchte, dann gibt es einige Möglichkeiten.

Die Aussichtsdünen wären eine davon, aber den besten Blick hat man, natürlich, vom Leuchtturm aus.

Der Leuchtturm ist schon imposant, und ihn zu besteigen ist wirklich eine Empfehlung für jeden, der das erste Mal nach Amrum kommt.

Ich weiß nicht wie oft ich schon da oben war, doch eines vergesse ich nie – meine Höhenangst.

Ganz ehrlich?

So herrlich die Aussicht auch ist – da oben zu stehen ist für mich die absolute Hölle.

Die 42 Meter hoch zu gehen mit einem kaputten Bein UND Höhenangst, das ist eine absolute Herausforderung.

Aber ich liebe Herausforderungen.

Und es hat sich gelohnt.

Ja, das Bein brennt und der Besuch der Sauna tat richtig gut.

Nun genieße ich den Abend vor dem Kaminofen und schaue nach draußen.

Der Blick über das Watt hinüber nach Föhr ist Entspannung pur.

Sechster Tag

Einkaufen und Genießen

Ja, ich liebe es mich hier mit ausreichend Tee einzudecken, und seit ich nach Amrum fahre ist das Teekontor für mich eindeutig die Nummer Eins.

In Hamburg kaufe ich nur wenig Tee, denn die Sorten hier schmecken mir einfach am besten.

Ich bin froh, dass das Amrumer Teekontor mit Anette und Karsten weiterhin Bestand hat.

Das Gleiche gilt für den obligatorischen Kaffee, den ich prinzipiell bei Claudia im Pustekuchen genieße.

So langsam geht meine Zeit hier vorbei.

Morgen geht es noch mal an den Strand.

Siebter Tag

Am Strand

Herrliches Wetter am Strand, das ist zu dieser Jahreszeit fast schon wie ein Sechser im Lotto.

Die Ruhe hier ist einfach unbezahlbar.

Natur pur, mehr brauche ich nicht um herunterzufahren.

Das gilt übrigens auch für das Dünental nahe der Vogelkoje.

Hier, unter den Dünen, sind bestimmt die Reste zahlreicher Behausungen.

Woher ich das weiß?

Ganz einfach – die Dünen geben immer wieder etwas frei.

Vor Jahren hatte man eine solche Behausung nachgebaut.

Tja, und mein letzter Abend hier auf Amrum beginnt, wie soll es anders sein, mit der Sauna und endet vor dem Kaminofen.

Achter Tag

Abreise
Kein Wind, nur das Geschrei der Möwen – das war mein letzter Morgen auf Amrum.

Ein letzter Kaffee, dann die restlichen Sachen zusammen packen und mit dem Taxi zur Fähre.

Die Überfahrt aufs Festland ist ruhig, die Nordsee ungewöhnlich spiegelglatt.

Tja, und nun sitze ich daheim in meinem Wohnzimmer, trinke Tee und bin in meinen Gedanken dort, wo sie auch in der vergangenen Woche immer wieder waren – auf Amrum.

Eine Woche Urlaub ist vorbei, und natürlich war ich nicht auf Amrum.

Wegen der Plage namens Corona ging es leider nicht.

Statt dessen habe ich diese Woche in der Heimat verbracht.

Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, und hoffentlich kann ich im Sommer auf meiner Lieblingsinsel sein – diesmal dann aber real.

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