Amrum im Sommer 2021.
Man könnte auch sagen – Amrum im zweiten Coronajahr, denn wie schon im letzten Jahr, so muß man auch 2021 immer wieder auf die üblichen Regeln achten.

Aber lasse ich mir davon den Urlaub vermiesen?
Nein, denn die Alternative wäre mit dem Arsch zu Hause zu bleiben – und das ist nach der Absage im März nun so gar nicht in meinem ganz persönlichen Sinne.
Ja, die Regeln sind zum Teil nervig und fragwürdig, und nach wie vor habe ich zu diesem ganzen Katalog und deren Erfinder meine ganz persönliche Ansicht, doch das ist Thema eines anderen Beitrages.
Amrum im Sommer 2021, das war auch ein Sommer, wie ich ihn hier so schon lange nicht mehr erlebt habe, denn die ersten Tage herrschten Temperaturen von 26 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkei – also im Prinzip genau ein solches Wetter, bei dem ich mich nur schwer erholen kann.
Und Erholung war etwas, was ich dringend brauchte, denn die letzten Monate hatten mir tatsächlich mental mehr zugesetzt als ich dachte.

Amrum ist nach wie vor ein Ort der Spiritualität und der Ruhe für mich, das merke ich immer wieder, und deswegen fahre ich seit über 20 Jahren auch immer wieder hier her.
Die Ruhe beginnt ja schon bei mir während der Anreise, und die Ruhe ist sorgte auch für ein entspanntes Ankommen, denn während sich andere Leute gerade bei der Ankunft abhetzten (der Bus fährt gleich; wir müssen rechtzeitig in der Unterkunft sein etc) schlendere ich gemütlich von der Fähre, setzte mich abseits der Menge auf eine Bank und rauche in Ruhe meine erste Zigarette auf der Insel.


Erst wenn die Massen im Bus verschwunden sind, rufe ich mir ein Taxi und warte – wie jedesmal wenn ich diese Insel betrete.
Wobei ich festgestellt hatte, dass diese innere Ruhe, die mich hier jedesmal überkommt, dieses Mal sogar noch stärker vorhanden war.
Vielleicht liegt es daran, dass ich den Alltag mehr denn je komplett zur Seite geschoben habe und mich mehr denn je nur auf mein Inneres konzentriere.
Was mich am meisten gewundert hat, das war trotz dieser Temperaturen die Leere am Strand.
Die Insel soll fast ausgebucht sein, doch Menschen sah ich zu Beginn nur an den Strandübergängen, jedoch wurde ein paar Meter weiter bereits merklich leerer.
Und diese Leere zog sich immer weiter dahin, was für mich eindeutig ein Vorteil, denn so hatte ich schneller meine Punkte der Ruhe gefunden und konnte komplett abschalten.



Meditation am Strand – ich hatte letztes Jahr damit begonnen und festgestellt, dass ich so noch schneller runterkam als es zuhause der Fall war, was sicherlich an der Gesamtkulisse liegt.
Meeresrauschen und Möwengeschrei sind ja schön und gut, beides habe ich schon lange für Meditationen aufgenommen, aber erst zusammen mit dem Geruch der Nordsee und dem Gespür des Sandes ist es perfekt.
Sowas kann man zuhause nicht erleben, sowas wirkt einfach nur real vor Ort und deswegen hatte ich diese Strandmeditationen auch gleich am ersten Tag wieder aufgenommen.




Das galt auch für die Meditationen an den Hügelgräbern, zu denen es mich immer wieder führte.
Solche Meditationen sorgen in meinem Bekanntenkreis immer wieder für Stirnrunzeln, doch Hügelgräber, das ist bekannt, sind für mich ein Zeugnis unserer Ahnen, und deswegen finde ich hier auch zu einer ganz speziellen und besonderen Meditation.
Diese besonderen Meditationen führten zu einer dermaßen inneren Ruhe, die mich noch heute, Tage nach dem Urlaub und wieder mitten im Alltags, beherrscht.


Es ist logisch, dass ich, wenn ich auf Amrum bin, auch einiges zu erledigen habe, und der Kauf von Tee gehört eindeutig dazu, denn auch wenn ich den Onlineshop mehrfach genutzt hatte, so war mein Vorrat zuhause stark geschrumpft.


Ein Besuch bei Annette und Karsten vom Teekontor, die ich mittlerweile als meine Freunde betrachte, ist halt nach wie vor ein Erlebnis.
Diesmal war es noch angenehmer als sonst, denn auch wenn ich meine Bestellung vorab per Mail geschickt hatte (was offen gesagt für eine leichte Panikattacke bei den Beiden gesorgt hatte, denn die Mail schrieb ich am Sonntag und meinte auch, das ich Montag oder Dienstag vorbeischaue), so hatte mir Karsten spontan eine Teemischung als Probe mithineingelegt – und damit genau das Richtige getroffen.
Was ich ebenfalls mit in den Alltag nach dem Urlaub genommen habe ist der geänderte Blick.
Nur selten hatte ich in diesen zwei Wochen das Weltgeschehen verfolgt, und die innere Ruhe, die sich dadurch ergeben hatte, tat mir so gut, dass ich dieses kleine Ritual ganz bestimmt nicht aufgeben werde.
Überhaupt das Innere – es war das erste Mal, dass ich mir für meinen Urlaub auf Amrum so gut wie keine Pläne gemacht habe, sieht man einmal die Fahrt nach Föhr ab.
Einfach in den Tag leben und schauen was kommt, mehr wollte ich nicht, und diese Entscheidung war die Beste, die ich seit langem getroffen habe, denn so hatte ich den Blick frei für das, was wirklich wichtig ist.
Frei für die Schönheit um mich herum und frei das alles auch annehmen zu können.





Sowas gelingt mir an anderen Orten nur selten und schwer, und natürlich spielte auch meine Unterkunft eine große Rolle, denn was nützt einem die besten Erholung, wenn man am Ende des Tages in einer Wohnung ‚eingesperrt‘ ist?
Richtig, nichts, und deshalb hatte ich mir für diesen Urlaub eine Unterkunft ausgesucht, die, vorsichtig formuliert, groß war, und der Garten, den ich wirklich nur für mich hatte, sorgte dafür, dass ich mich nicht nur am Ende des Tages weiterhin erholen konnte – er bot auch noch genügend Platz zum meditieren.



Sollte ich über die 13 Tage Amrum ein Fazit ziehen müssen, so würde es mir schwer fallen, denn dieser Urlaub war tatsächlich so komplett anders als die vorherigen.
Was ich ebenfalls mitnehmen werde, das ist die Ruhe und Gelassenheit, denn die habe ich auf dieser Insel tatsächlich wiedergefunden.
Geholfen haben mir zahlreiche Meditationen der unterschiedlichsten Formen, endlose Spaziergänge und das Reden mit Menschen, die ich als meine Freunde betrachte.
Geholfen hat mir aber auch das Wetter, denn in der zweiten Woche wurde es, für mich, angenehm kühler, und die die Wolken am Himmer sorgten schon hin und wieder für ein Herbstgefühl bei mir.

Amrum in der Nordsee – Balsam für die See und eine innere Rückkehr zu sich selbst.
Und nach dem Urlaub ist bekanntlich vor dem Urlaub.
Sofern die Ahnen es wollen muß mich die Insel schon bald wieder ertragen.


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