Es war eher ein Zufall, das ich von dem archäologischem Wanderweg in der Fischbeker Heide erfahren habe.
Für einen Bericht über Hügelgräber hatte ich bei Google einfach den Suchbegriff Hügelgräber in Hamburg eingegeben, und tatsächlich gibt es nicht gerade wenige dieser Bauwerke hier.
Ins Auge gestochen hat allerdings ein Beitrag über eben den archäologischen Wanderweg, denn er befindet sich in einer Gegend, die ich eigentlich sehr gut kenne.

Eigentlich, denn auch wenn es diesen Weg schon seit Mitte der 1970er Jahre gab, so kannte ich weder ihn noch die Hügelgräber.
Wie erstaunlich das war, das wurde mir allerdings erst später im Laufe meines Spazierganges klar.
Im Grunde genommen hatte ich mir den perfekten Tag für meine Erkundungstour ausgesucht, denn es war ein herrlicher Herbsttag im November.
Nicht zu warm, nicht zu kalt und ein strahlend blauer Himmel.
Mit der Bahn fuhr ich bis Neugraben, stieg dort um in den Bus der Linie 240 bis zur Endhaltestelle Waldfrieden, und hier machte ich die erste erstaunte Entdeckung, denn ich kannte diese Gegend.
Früher war ich von hier aus immer zum Wildpark gegangen, und das war nicht die erste Überraschung.
Ich ging einen anderen Weg, denn mein Ziel lag laut einem Wegweiser auf der rechten Seite im Wald, und schon nach ein paar Metern stand ich tatsächlich vor einer großen Schautafel.


Ich liebe den Wald, und gerade in Rissen bin ich sehr gerne im Klövensteen, denn dort habe ich ja mittlerweile einen meiner Kraftplätze gefunden.
Allerdings ist die Fischbeker Heide ein Ort, der für mich viel mehr ist, denn er liegt ja meiner ursprünglichen Heimat näher.



Der Klövensteen und das Schnackenmoor in Rissen kommt da nicht gegen an, das muß ich einfach so deutlich sagen.
Mein Weg führte mich durch ein wunderschönes Waldstück, und dann stand ich auch schon vor dem ersten Ziel meines Ausfluges.

Das erste Hügelgrab tauchte vor mir auf, und rasch erkannte ich, dass es auf diesem Areal noch weitere gab, doch ganz offensichtlich hatte ich am Ende begonnen, denn zu jedem Grab gab es eine Schautafel mit entsprechenden Informationen, und jede dieser Tafel hatte eine Nummer.




Zugegeben, zunächst wußte ich nicht, ob diese Ansammlung künstlich angelegt wurde oder ob die Gräber tatsächlich so von den Erbauern angelegt wurden.
Schnell war mir die Beantwortung dieser Frage allerdings ziemlich egal, denn allein die Atmosphäre an diesem Ort war einzigartig.
Mitten im Wald diese Hügelgäber zu sehen und zu spüren – das war schon mehr als nur magisch.
Es war ehrfurchtsvoll.
Nachdem ich mich diesen ersten Eindrücken ergeben hatte, begann ich mir das Areal genauer anzuschauen, und spätestens jetzt begann ich mich innerlich zu beglückwünschen zu diesem Ausflug, denn der Begriff archäologischer Wanderweg, der Rundweg wurde ja vom Helms-Museum angelegt, machte ja auch deutlich, das es eine Art Lehrweg war, denn es wurde zum Beispiel gezeigt, dass in einem Hügelgrab ein Holzsarg gefunden wurde.
Selbst wenn es sich hierbei um eine Nachbildung handeln sollte – sehenswert ist es allemal.



Nachdem ich diesen ersten Zwischenstopp beendet hatte, begannen meine Probleme, denn nun kamen zwei Schwierigkeiten an die Oberfläche mit denen ich so ehrlich gesagt nicht gerechnet hatte.
Zum einen war eine offensichtliche Beschilderung zu diesem ganz speziellen Wanderweg nur schwer zu erkennen.
Sicherlich, eine solche Beschilderung würde eventuell eine höhere Dichte an Menschen nach sich ziehen, doch das Risiko sollte man eingehen, denn immerhin ist dieser Weg öffentlich und jederzeit begehbar.
Zum anderen war der Internetempfang nicht vorhanden, so das ich auch auf diese Art und Weise nicht nachschauen konnte.
Diese beiden Punkte hatten aber auch einen Vorteil, denn so konnte ich unabgelenkt die wunderbare Umgebung genießen.



Wie schon gesagt, die Fischbeker Heide ist eigentümlich.
Menschliche Eingriffe waren immer wieder zu erkennen, doch man sah auch, dass man hier die Natur einfach nur lässt.
Das Elburstromtal, die Fischbeker Heide ist ein Teil der Umrandung, hat hier seine deutliche Spuren hinterlassen.
Mein Weg führte mich zu einem Informationszentrum, dem Fischbeker Heidehaus, welches auch tatsächlich geöffnet hatte.
Allein dieses Heidehaus ist einen Besuch wert, denn hier wird die Entstehung und Geschichte der Fischbeker Heide deutlich und verständlich dargestellt.
Und hier gibt es auch eine Wanderkarte für die gesamte Region – meinem weiteren Spaziergang stand also nichts im Weg.
Nach dieser kurzen Pause, in der ich ausgiebig die Karte studierte und mir Gedanken für meinen weiteren Weg machte, ging ich dann los.
Mein Ziel war die Fischbeker Glatze, und hier begann etwas, mit dem ich so nicht gerechnet hatte.
Das ich die Fischbeker Heide bereits kannte, das hatte ich schon erwähnt, doch nun, als ich auf diesem Vorspung stand und die Umgebung auf mich einwirken ließ, erkannte ich wo genau ich mich befand.




Und diese Erkenntnis war für mich wie ein Schlag in den Magen mit einem sehr schweren Hammer.
Ich kannte diese Gegend, und das sogar sehr gut, denn hier hatte der Zirkel, dem ich jahrelang angehörte, seinen Ritualplatz.
Es ist fast schon eine Ironie des Schicksals, das ich den Weg hierher gefunden hatte, und ich mußte diese Erkenntnis ersteinmal sacken lassen.
Ich möchte ehrlich sein – diese Wanderung hatte einen Beigeschmack, der noch lange anhielt, und eigentlich wollte ich an dieser Stelle abbrechen und einfach nur von hier verschwinden.
Innerhalb von kurzer Zeit prasselten Erinnerungen auf mich ein, und es dauerte tatsächlich eine Weile, bis ich wieder bei Sinnen war.
Selbstverständlich ging ich weiter, auch wenn ich nun immer wieder eine kleine Pause einlegen mußte, denn von nun an wurde aus einem Spaziergang, bei dem ich Neues sehen wollte, eine Wanderung auf den Spuren meiner Vergangenheit.
Und es war von nun an eine Wanderung voller versteckter Ironie.



Schon nach kurzer Zeit wurde mir das verdeutlicht, denn ich stand wieder vor einem Hinweisschild.
Bereits vorher hatte ich gelesen, dass es hier ein ganzes Grabfeld gab, welches selbst in der jüngeren Vergangenheit noch als solches genutzt wurde.
Nun jedoch las ich, das es hier auch einen Ritualplatz gegeben haben sollte.





Seien wir ehrlich – niemand weiß genau wo sich solche Plätze befunden hatten, denn nur selten gibt es schriftliche Hinterlassenschaften darüber.
Ironisch fand ich es dennoch, denn als man dieses Schild aufgestellt hatte, ahnte wohl niemand wie nah man an der Wahrheit war.
Sicherlich, unser Hauptritualplatz befand sich ein ziemliches Stück weit entfernt, doch es gab auch sogenannte Nebenplätze, und genau vor einem solchen befand ich mich.
Tja, eine Wanderung auf den Spuren meiner Vergangenheit.
Im Nachhinein ist es fast schon komisch, denn niemand von uns hatte damals diese Schilder gessehen oder bemerkt.
Auch wußten wir nichts von diesem Wanderweg, und doch hatten wir uns genau hier für unsere Rituale niedergelassen.
Meine Eindrücke waren nun getrübt, denn meine Erinnerungen, positive und negative, überlagerten meine aktuellen Emotionen, und es sollte noch heftiger kommen.
Es gibt hier einen Platz, zu dem ich eine ganz besondere Verbindung habe, und es war einfach nur logisch, dass ich genau hier sehr lange innehielt.
Und nicht nur das, denn zum Abschluß eines kleinen Rituals ließ ich ein Geschenk da.

Ich achte die Ahnen, und ich habe immer ein Geschenk für die, die vor uns waren, bei mir.
An diesem einen bestimmten Ort war es ein besonderes Geschenk an zwei, die nicht mehr bei uns sind.
Der archäologische Wanderweg führt weit durch die Fischbeker Heide, und er zeigt nicht nur alte Grabstätten.
Er zeigt auch, wie hier gearbeitet wurde, und genau das macht ihn zu etwas ganz Besonderem, denn hier wird deutlich klar, wie sehr es damals normal war, dass neben dem Tod das Leben seinen Lauf nahm.






Beides war miteinander verknüpft, denn auf der einen Seite lagen die Verstorbenen während nur ein paar Meter weiter Lehm abgebaut wurde.
Der archäologische Wanderweg neigt sich von dieser Station an dem Ende entgegegen, und schon nach kurzer Zeit stehe ich wieder da, wo ich meine Wanderung begonnen hatte.
Es war eine schöne Wanderung, auch, oder gerade wegen, der Erinnerungen, die mich hier förmlich überfallen hatten.
Was als Erkundungstour begonnen hatte wurde zu einem Ereignis, das mich noch Wochen später nachdenklich gemacht hat.
Diese Wanderung hat mich sehr verändert, und wurde zu einem Weg. der noch lange nicht vorbei ist.
Allein aus diesem Grund werde ich diese Gegend in der Fischbeker Heide wieder häufiger aufsuchen in Zukunft, denn nicht nur das Erlebte dort ist für mich einen Ausflug wert, sondern auch die Natur.
Gerade diese ist dort einfach nur herrlich und auf jeden Fall eine Reise wert.




Eine persönliche Schlußbemerkung muß an dieser Stelle sein.
Was war, das gehört der Vergangengeit an, und auch wenn diese uns prägt, so kann niemand das Vergangene zurückholen.
Man kann lediglich das Vergangene zu einem Teil seines Lebens machen, doch man sollte aufpassen, das man sich nicht darin verliert.
Meine Gedanken sind in diesem Augenblick bei jenen Beiden, die nicht mehr sind.
