Amrum im Frühjahr 2022

Es gibt ihn, diesen einen Ort, der zu dieser Jahreszeit absolut ruhig ist.
Bereits im November stand fest, dass ich meinen ersten Urlaub 2022 genau hier verbringen werde, und schon nach ein paar Stunden wusste ich genau, dass ich es nicht bereuen würde.

Insel Amrum

Keine Plage, kein schwachsinniger Pisser aus dem Kreml und keine Änderung der Deutschen Bahn konnte mich in diesem Jahr davon abhalten endlich diese Fahrt anzutreten.

Ja, es war nur eine Woche, doch die Erholung und der Abstand zum Alltag war mehr als notwendig.

Und Amrum hat in diesem Übergang zwischen Winter und Frühling einen ganz besonderen Charme.

So außerhalb der Saison, wo sich normalerweise kaum ein Tourist auf die Insel verirrt, hat man die Möglichkeit die Natur in vollen Zügen zu genießen, und genau das war auch mein grundsätzlicher Plan für diese sieben Tage – und ich spoiler schon mal, denn Hardcoreumweltfreaks, die nur ihre eigene Meinung als die einzig richtige halten, sollten sich nun von diesem Text verabschieden, denn im Laufe des Textes wird des Öfteren ein Kaminofen und die herrliche Wärme des Feuers erwähnt.

Die Anfahrt war ja schon ein kleines Abenteuer, denn im Vergleich zum Bahnhof in Altona ist der in Pinneberg gemütlich aber auch schnell voll.
In der Tat begann meine Reise in Pinneberg, da wegen Bauarbeiten der Bahnhof in Altona komplett gesperrt war.

Bahnhof Pinneberg

Nun gut, von sowas lasse ich mich nicht abhalten; zumal an einem Sonntag, mein Anreisetag, eher weniger los ist.


Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich irgendwas vormacht – im Gegenteil.
Ich kenne meine Grenzen und meine Stärken, und so langsam ist meine persönliche Energie aufgebraucht.

Amrum im März – es war das dritte Mal, das ich die Insel zu dieser Zeit genießen durfte, und es ist tatsächlich ein Urlaub, wie ich ihn mir immer wünsche.
Geschäfte haben Öffnungszeiten wie ich sie aus meiner Kindheit noch kenne; inklusive Mittagspause und Wochenende am Sonnabend um 13 Uhr – spätestens.

Hüttmannwiese mit Hotel in Norddorf

Ich erinnere mich an meinen ersten Märzurlaub, 2016, an dem ich festgestellt hatte, das selbst der Bäcker in Nebel sonntags geschlossen hatte.
Tja, dieses ist mittlerweile auch Montags der Fall, und wenn man es weiß, dann kann man sich darauf einstellen.

Überhaupt gibt es für Touristen keinen Grund sich zu beklagen, denn wenn man auf einer Insel Urlaub in einer Ferienwohnung macht, dann ist das auch ein Schritt aus der eignen Komfortzone.
Man kann halt nicht mal so eben noch was einkaufen, man muß schon genau schauen wann man noch was besorgen kann.
Darüber sollte man sich zu dieser Jahreszeit im Klaren sein.

Die Komfortzone ändert sich auch für die Einheimischen, hier jedoch auf eine sehr prägende Art und Weise.
Machen wir uns nichts vor – es wird alles teurer, und das ist auch auf Amrum der Fall.
Allerdings hat die Insel ein Problem durch ihre Lage, denn wer hier einmal weg gezogen ist, das bleibt auch weg, was in diesem Jahr mehrfach noch passieren wird.

Man kann nicht mal eben jeden Tag mit der Fähre hin und her pendeln, denn auf Dauer ist eine solche Überfahrt nicht nur teuer.
Dadurch, das die letzte Fähre im Winter um 17.25 Uhr ablegt, ist es auch logistisch kompliziert, denn genau zu dieser Zeit arbeiten viele einfach noch.
Da private Wohungen auf Amrum mittlerweile in der Minderheit sind, wird dieses Problem vermutlich im Laufe der nächsten Jahre für so manche Veränderungen sorgen; zumindest befürchte ich das, denn auf der Hinfahrt habe ich von einem Cafe gehört, das aufgrund von Personalmangel wohl nicht mehr öffnen wird.

Genau aus diesem Grund betrachte ich meinen Urlaub auf Amrum auch jedesmal als etwas Besonderes.

Amrum im März.
Es ist das dritte Mal, dass ich es im zu dieser Zeit geschafft habe meinen Urlaub hier zu verbringen, und diese Woche hat mir gezeigt, das wirklich alles möglich ist.
2016 und 2017 war das Wetter typisch für die Jahreszeit – außer Schnee war wirklich alles vorhanden, doch in diesem Jahr, 2022, war es so absolut anders.

Strand bei Nebel
Urlaubsunterkunft an der Mühle in Nebel

Ja, es war frisch, aber es herrschte die ganze Zeit über Sonnenschein und Wolken waren eher die Ausnahme.
Ja, normalerweise ist das so gar nicht mein Wetter, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, denn ich genoß es.

Die Kälte jedoch, die ja typisch ist für den Monat März, die genoß ich nicht.
Gerade die letzten Tage kam sie zurück und hatte Wind mit im Gepäck, was es im Grunde genommen fast schon ungemütlich machte.
ABER….man muß immer damit rechnen, und genau aus diesem Grund hatte es mich auch nicht geschockt.
Unterwegs war ich trotzdem.

Apropos unterwegs.
Wie in jedem Urlaub, so hatte ich mir auch in diesem ein Ziel gesetzt, doch leider habe ich es verfehlt.
Auf einer Karte hatte ich Hügelgräber entdeckt, die ich noch gar nicht kannte, und genau die wollte ich mir anschauen.
Nun muß ich jedoch gestehen, dass die Karte eine Mischung aus der Vergangenheit und der Gegenwart der Insel ist, und im nachhinein vermute ich, dass die entsprechenden Hügelgräber zugeweht, bzw überwachsen und deshalb nicht mehr zu sehen sind, doch das heißt nicht, dass ich deswegen aufgeben werde.

Sicherlich, das eine Ziel habe ich verfehlt, doch verloren habe ich deswegen nicht, denn so habe ich Wege entdeckt, die ich vorher nicht gekannt hatte.
Ja, es kommt immer auf einen selbst an was man aus der entsprechenden Situation macht.

Das betrifft auch das Meditieren.
Man wird mir wohl zustimmen, dass eine Meditation zu dieser Jahreszeit draußen zwar möglich, jedoch völlig sinnbefreit ist.

Also hatte ich meine Einheiten auf der Innere der Unterkauft verlegt – und hier kam mir zugute, dass ich bereits im letzten Sommer hier war und die Räume kannte.

Unter dem Dach gibt es nicht nur einen Wärmeraum – es gibt auch ausreichend Platz zum meditieren.

Jedoch möchte ich an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich meine Meditation während des Gehens gerade in diesem Urlaub weiter ausgebaut habe.
Die Natur genießen, das kann man immer, und die Natur kann man hervorragend in eine Meditation während eines Spazierganges einbeziehen.

Zumal der nahende Frühling seine ersten Boten schickt.
Überall sind die ersten Knospen zu sehen, und trotz anfänglichen Rauhreif erwacht die Natur immer mehr aus ihrem Winterschlaf.

Überhaupt der Winter.
Das er noch nicht völlig vorbei konnte ich deutlich an den letzten beiden Tagen erleben, denn der Ostwind frischte erheblich auf und sorgte für eine Kälte, die ich abends nur an dem Kaminofen vergessen konnte.

Im Sommer 2021 war ich bereits in dieser Unterkunft – und es ist logisch, dass der Kaminofen da aus blieb.
Nun jedoch genoß ich diese Vorreichtung, und ich hatte abends ein festes Ritual.
Erst Wärmeraum, dann Dusche – und zum Abschluß den restlichen Abend eben vor dem Kaminofen verbringen.
Ich liebe diese Dinger, und wenn man einmal eine so tiefgehende Wärme erlebt hat, dann will man sie eigentlich nicht mehr vermissen.

Ja, diese eine Woche tat mir absolut gut.
Um Nachrichten habe ich einen großen Bogen gemacht und mich einfach nur um mich gekümmert.
Egoistisch?
Mag sein, aber es war notwenidig.
Vieles hatte sich angestaut in mir, und nun bin ich bereit für Neues.

Ideen sind mir genug gekommen, und zum Teil habe ich Gedanken verwirklichen können.

Und wie ich schon oft geschrieben habe – nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.

Sollte die Plage nicht völlig durchdrehen, und sollte dieser kleine Wichser im Kreml nicht völlig den Verstand verlieren, dann geht es im Juli bereits wieder auf die Insel.
Zwei Wochen Erholung heißt es dann, jedoch nicht in Nebel.

Im Juli heißt es dann wieder einmal Erholung in Wittdünn; das hatte ich zuletzt 2016.
Wer weiß wie es diesmal wird.
Anders als 2016 auf jeden Fall, soviel steht fest.

NACHTRAG

Eigentlich hatte ich den Text bereits auf der Fähre während der Rückfahrt fertig und einen Tag später die Bilder entsprechend eingefügt, doch dann erreichte mich abends eine Nachricht, die mich innerlich zum heulen brachte.

Am Sonntagabend konnte man auf Amrum tatsächlich Polarlicher sehen, etwas absolut seltenes in diesen Kreisen.

HIER könnt ihr den von den AmrumNews entsprechenden Artikel lesen.

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