Amrum im Sommer 2022.
Das ist Urlaub auf Amrum im dritten Jahr der Plage – und auch hier trifft man überall auf die Zustände, die man durch den Personalnotstand schon vom Alltag auf dem Festland kennt.
Nicht nur die Gastronomie ist davon betroffen, es zieht sich gewissermaßen durch alle Kreise der Insel.
Eben wie auf dem Festland.
Was mich dabei stört ist die Reaktion der Touristen.
Ja, ich bin selber einer, doch ich benehme mich ganz bestimmt nicht so wie ich es bei anderen Touristen immer wieder erlebe.
Nehmen wir als Beispiel einfach mal den Bus.
Normalerweise fährt hier der Bus in der Hauptsaison alle 30 Minuten, doch bedingt durch die oben erwähnten Probleme wurde dieses geändert.
Ab der Mittagszeit nur noch alle 40 Minuten, und was machen viele Touristen?
Genau – sie jammern und nörgeln.
Warum nur?
Sicherlich, auch ich wurde von dieser Änderung kalt erwischt als ich in Nebel an der Bushaltestelle stand und wegen dem einsetztenden Regen den Bus nehmen wollte.
Eigentlich hätte er kommen müssen, doch erst nach einem Blick auf den Fahrplan sah ich die Änderung und hatte mich gewundert, doch genau da kam wieder mein Motte für diesen Urlaub an den Tag.
Na und!
Ja, das ist tatsächlich mein Motto, und das war es schon als ich zu Beginn des Jahres auf der Suche nach einer Unterkunft für den Sommer war.
Vierzehn Tage Amrum also, und diesmal nicht, wie sonst, in Nebel oder in Norddorf.
Nein, dieser Urlaub fand in Wittdün statt, und hier hatte ich 2016 das letzte Mal meinen Urlaub verbracht.
Gewissermaßen Stadturlaub also, denn im Vergleich zu Nebel oder Norddorf ist es in Wittdünn auch nach 22 Uhr nicht leise.
Ja, nicht so laut wie in einer Großstadt, aber der Unterschied zu den anderen beiden Dörfern ist bemerkbar.
Das soll nun nicht negativ gemeint sein, denn Wittdün hat im Vergleich auch seine Vorteile.
So ist man schnell am Strand, und da es zum Wasser dann noch ein langer Weg ist, hat man es hier nicht mit der Horde Menschen zu tun, die die Ruhe schnell zunichte machen.

Wer in Wittdün Ruhe haben möchte, der findet die tatsächlich am Strand – und das zu jeder Zeit.
Das soll nun aber nicht heißen, dass ich diesen Urlaub außschließlich hier verbracht habe; nein, das war nicht der Fall – auch wenn die Unterkunft in der neuen AmrumResidenz quasi dazu eingeladen hat.




Urlaub bedeutet in erster Linie Erholung, doch wie immer hatte ich mir so einiges vorgenommen.
Einen Tag nach Föhr, den Leuchtturm im Dunkeln fotografieren, die Gegend erkunden.




Das klingt nach viel?
Auf keinen Fall, denn die Erholung steht bei all dem immer im Vordergrund.
Amrum ist, und das muß ich eigentlich nicht mehr erwähnen, ein Ort, an dem ich mich bei jedem Wetter erholen kann.
Es hat für mich eindeutige Vorteile, wenn ich die Umgebung schon kenne, denn so fällt der Stress der Erkundung völlig aus.
So war es auch dieses Jahr im Sommer.
All die Erinnerungen an 2016, als ich das letzte Mal hier in Wittdün meinen Urlaub verbrachte, wurden einfach auf der Hinfahrt über Bord geworfen, denn so intensiv das Positive auch war – jetzt wollte ich mir die Zeit mit Gedanken an das damals Negative nicht vermiesen.
Dieser Vorsatz begann tatsächlich bereits mit der Anreise – nicht aus der Ruhe bringen lassen, denn ändern kann man es eh nicht.
Ja, der Zug war voll, ja, die Zeit zum Umsteigen in Niebüll war ziemlich knapp, doch all das hat mich nicht gestört.
Und so ging es weiter.
Eine lange Schlange morgens beim Bäcker?
Nervige Urlauber im Supermarkt?
Radfahrer, die sämtliche Verkehrsregeln außer acht gelassen haben?
Na und?
Selbst die Tatsache, dass sich eine Öse an meiner selbstgemachten Gürteltasche gleich zu Beginn gelöst hatte, hat mich nicht aus der Ruhe gebracht, denn zu jedem dieser Punkte gab es nur eine Reaktion bei mir.
Na und!
Tatsächlich hat mich wirklich nichts aus der Ruhe gebracht, und diesen Zustand, das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich für die Zeit nach dem Urlaub häufiger beherzigen.

Es bringt einfach nichts, sich über jeden Scheiß aufzuregen.
Es stimmt halt, wenn man auf die Frage „Wie blöd kann man eigentlich sein?“ mit „Keine Ahnung. Der Wettbewerb läuft noch.“ antwortet.
Na und?
Von solchen Dingen lasse ich mir die Zeit einfach nicht vermiesen, denn Urlaub ist immer nur begrenzt – und da gilt es tatsächlich die Erholung bereits vom ersten Augenblick zu genießen.
Das sollte man grundsätzlich tun, nicht nur hier auf Amrum.
Man sollte grundsätzlich die Zeit genießen und die Umgebung in sich aufnehmen, denn dann, und nur dann, kann man sich wirklich erholen.
Und Erholung brauchen wir alle, denn die Zeiten sind unruhig genug.
Sommerurlaub 2022, das war in diesem Jahr auch eine Rückbesinnung.
Morgendliche Meditationen am Strand gehörten zum Tagesstart, und das Wetter spielte dabei für mich keine Rolle.

Sicherlich, auch in Hamburg gehört sowas für mich dazu, doch hier auf Amrum, wo ich in diesem Jahr den Strand quasi direkt vor der Tür habe, hat es noch einmal eine andere Qualität.
Vielleicht lag es daran, dass Erinnerungen und Gedanken wieder an die Oberfläche kam; Erinnerungen und Gedanken von Erlebnissen, die mich zum Schmunzeln brachten.
Ich weiß, all das kommt nicht wieder, doch die Tatsache, das ich es erleben durfte macht mich stolz.
Und tatsächlich spielte sich einiges davon hier auf Amrum ab.
Nun, wo ich Jahre später an den Orten vorbei gehe, halte ich inne, lächel und fühle mich stolz und geehrt das ich für den Augenblick ein Teil des Geschehens war.

Ja, auch das war der Sommerurlaub 2022 auf Amrum.
Er war so völlig anders als die letzten Jahre; er war mental intensiver, und das machte mir deutlich, wie sehr ich mich innerhalb von kurzer Zeit verändert hatte.
Eine Veränderung, die gerade ist begonnen hat.
Und wie heißt es so schön – nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Im Oktober darf ich diese Insel erneut für eine Woche erleben.

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