Was als Spruch bei Instagram begann hat es nun auch als Titel in diesen Blog geschafft, denn selten passte ein Spruch besser als in den Sommerurlaub 2024 auf Amrum.

Eigentlich bezog sich dieser Spruch auf mein Bein und die ständigen Probleme, die ich damit habe.
Nun, ich könnte auch den ganzen Tag irgendwo sitzen, aber das ist nicht meine Vorstellung eines Urlaubs.
Ich möchte mir die Gegen anschauen und die Natur erleben, und deswegen bin ich gerade im Urlaub immer unterwegs.








Und wegen des Beines immer an der Grenze – und eben drei Schritte weiter.
Diesen Spruch hatte ich mir schon damals während der Reha angeeignet und er begleitet mich seitdem jeden Tag.
Wie aber hat es dieser Spruch nun im Titel dieses Beitrages geschafft?
Nun, diese Frage lässt sich leicht beantworten, denn durch einen Unfall wurde mir deutlich, wieviel Glück ich, wieder einmal, hatte.
Aber von Anfang an.
Amrum im Sommer 2024.
Es war das in diesem Jahr das erste Mal, das ich meinen Urlaub auf dieser Insel verbrachte.
Im Frühjahr lag der Osterntermin so semi, das es nicht möglich war und ich auch nicht Urlaub hatte wie es sonst der Fall war.
Nun aber, im August, war es endlich wieder soweit, und ich muß sagen, dass ich die 14 Tage wirklich genossen habe.
Natürlich, wenn man regelmäßig an den selben Ort fährt, dann ist vieles zur Gewohnheit geworden.
Spaziergänge am Strand, Essen gehen im Torhaus, der Seekiste, dem Strandpiraten, Strand 33 etc oder der mittlerweile schon obligatorischen Bestellung im Teekontor – all das ist normal, und doch freue ich mich immer wieder drauf, denn für mich gehört das alles zu einem Aufenthalt auf Amrum dazu.





Und Urlaub auf Amrum ist für mich nie normal, und das ist auch gut so.
Das ich in diesem Jahr so manches anders machen wollte war schon klar als es am dritten Tag nach Föhr ging.
Normalerweise mache ich diesen Ausflug, der ja schon fest dazugehört, immer in der zweiten Woche, doch irgendwas trieb mich zeitig dorthin.
Und allein dieser Ausflug war mehr als genial, denn ich habe Sachen erlebt von denen ich nicht mal zu Träumen gewagt hatte.
Von Wyk ging es mit dem Taxi nach Süderende, wo, im Schatten der Kirche, ein Gräberfeld aus der Zeit der Wikinger liegt.
Hier hatte ich ein kleines Ritual abgehalten und den Ahnen gedankt, dass ich ihren Ort aufsuchen und hier verweilen durfte.
Von dort aus ging es weiter nach Borgsum zur dortigen Burg, doch hier hatten die Ausgrabungen dafür gesorgt, dass man das Innere des Ringwalls nicht betreten konnte.
Lediglich eine kurze Unterhaltung mit der Leiterin der Ausgrabungen war möglich, und diese Unterhaltung hatte in mir ein neues Mantra zum Leben erweckt.
Auf die Frage, ob man denn nun wüßte zu welchen Zweck diese Burg erbaut wurde, sagte sie deutlich, das man es nicht wüßte; sie gehe aber davon aus, dass es kein Heiliger Platz war.
Nun, was aber, wenn die Ahnen hier doch Rituale abgehalten hatten?
Aus der Realität wird Glaube, und der Glaube zur Realität – ein neues Mantra wurde geboren.
Von Borgsum aus wollte ich eigentlich weiter nach Nieblum gehen, doch hier geschah etwas merkwürdiges, denn ich änderte meinen Plan und ging vorher nach Goting, wo sich der Thinghügel befindet.
Eigentlich wollte ich nicht dorthin, denn schon bei meinem ersten Besuch im letzten Jahr hatte ich gesehen, dass man diesen Hügel, der für die Ahnen ganz offensichtlich eine große Bedeutung hatte, nicht besteigen konnte, denn er war komplett zugewuchert.
Nun befand ich mich wieder dort, und diesmal kam mir der Zufall (?) zur Hilfe, denn eine ältere Frau hatte Probleme ihr Fahrrad in den Kofferraum des Auto zu bekommen.
Zu zweit hatten wir es schließlich geschafft, und die Dame war so dankbar, dass sie mir sogar ein paar Fragen hinsichtlich des Thinghügels beantwortete.
Um es kurz zu machen – ich war auf dem Hügel, denn es führt ein kleiner unscheinbarer Weg hinauf, und das Gefühl, welches ich dort oben hatte, war unbeschreiblich.
Ich weiß nicht mehr wie lange ich dort oben verweilte, doch im Grunde genommen war es auch egal, denn dieser Ort hatte mich innerlich verändert.
Ich spüre selbst jetzt noch diese Kraft, die mich durchströmte; nicht nur an diesem Ort, sondern auch schon vorher in Süderende nach dem Ritual.
Und vielleicht war es diese Kraft, die mich vor Schlimmeren bewahrt hatte…
Mein Weg führte mich weiter nach Nieblum, und hier hatte ich schließlich den Grund meiner Beinschmerzen im Nacken – ein Gewitter.







Wer an der Nordsee noch nie ein Gewitter erlebt hatte, der kann sich dieses tiefe Grollen nicht vorstellen.
Wenn man das hört, dann kann man sich gut vorstellen, wie die Menschen damals an ein Wesen mit einem Wagen glaubten, denn genauso hört es sich an.
Beängstigend und machtvoll.
Zum Glück streifte das Gewitter die Insel Föhr und ich bekam lediglich ein paar Tropfen ab, doch für mein Bein war es die absolute Hölle.
Immer bis zur Grenze und drei Schritte weiter.
Die wahre Bedeutung dieses Spruches wurde mir aber erst einen Tag später bewußt, denn es war ein Tag, den ich so schnell wohl nie vergessen werde.
Ich hatte mir für die zwei Wochen ein Fahrrad gemietet, und genau damit passierte abends ein Unfall.
Mein Ziel, den Leuchturm im Dunkeln zu fotografieren, hatte ich erreicht, und auf dem Rückweg fiel ich vom Rad, was dazu führte, dass nicht nur meine Brille notdürftig repariert werden mußte, sondern auch das meine rechte Seite und mein großer Zeh links seitdem schmerzen.



Es wird von Tag zu Tag erträglicher, und mir ist bewußt, dass ich, wieder einmal, ganz großes Glück hatte, doch auf dem Rad saß ich seitdem nicht mehr.
Dieser Unfall beherrschte auch tatsächlich die weiteren Tage meines Urlaubes, denn von nun an waren meine Bewegungsmöglichkeit zu Beginn stark eingeschränkt, was dazu führte, dass ich noch mehr auf meine Umgebung achtete als eh schon der Fall war.
Und das beinhaltete auch das Beobachten, denn was mir schon in den ersten Tagen aufgefallen war, das bewahrheitete sich – die Atmosphäre auf Amrum, die sich verändert hatte.
Es war mir schon während der Anfahrt aufgefallen – die Menschen, die nach Amrum fahren, waren andere Menschen als jene, die ich sonst immer erlebe, und das gab mir zu denken.
Tatsächlich waren viele Urlauber hier, die ihre Zeit normalerweise auf Sylt verbrachten, und diese Entwicklung machte mir Angst, denn wenn sich diese Art von Touristen immer weiter ausbreitete, dann würde es Amrum nachhaltig verändern.
Ich sage es so deutlich, denn durch meine Gesrpäche mit Menschen, die hier auf der Insel lebten, wurde mir klar, dass diese Entwicklung schon lange in Gang war und ich hatte es einfach nicht gemerkt.
Nicht nur auf Amrum ist es so, auch auf Föhr, und das hat offensichtlich zwei Gründe; zum einen muß man sich klar machen, dass Urlaub auf den Inseln nicht gerade günstig ist, was in Zeiten generell hoher Kosten nicht gerade einfach ist.
Zum anderen scheint es so, dass viele Menschen, die ihren Urlaub normalerweise auf Sylt verbringen, aus verschiedenen diese Insel nicht mehr aufsuchen.
Was mich beängstigt ist die Tatsache, dass ich auf meinen Spaziergängen zahlreiche negative Kommentare hören mußte.
Kommentare, die eindeutig den begrenzten Raum von Häusern zum Thema hatten.
Leute, Amrum ist nicht Sylt; hier kommt man nicht mit dem Zug hin, und hier leben auch Menschen – zum Teil schon seit Generationen.
Sicherlich, man könnte die freien Flächen bebauen, doch was würde das bedeuten?
Amrum ist bekannt für seine Natur, und diese Natur würde durch mehr Bebauung verschwinden – langfristig.








Nein, ich weitere Bebauung kann nicht die Alternative sein.
Vielmehr sollte Menschen, die hier her kommen, sich darüber im Klaren sein, dass hier die Natur Teil des Lebens ist und das man selbst lediglich ein Teil des Ganzen ist.
Trotz alle dem – die 14 Tage, die ich auf Amrum verbringen durfte, waren 14 Tage, die mir gut taten, denn ich konnte, wieder einmal, meiner Seele den so nötigen Freiraum geben und absolut abschalten.
Spaziergänge in der Natur, einfach am Platz verweilen und durchatmen – etwas, was in Hamburg leider nicht immer möglich ist.











Vielleicht sollte ich diesen Punkt der mentalen Entspannung im Alltag weiter ausbauen, denn schließlich werde ich auch nicht mehr jünger.
Wie auch immer – nach wie vor gilt, dass die Nordsee, und hier tatsächlich vor allem Amrum, ein Kraftort für mich ist.

Was für schöne Bilder !
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Ich danke dir
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