Alles kulturelle Aneignung?…oder ein Beitrag zu mehr gegenseitiger Toleranz

Was haben Samhain, das Oktoberfest, das Osterfeuer und Biikebrennen gemeinsam?
Nun, auf dem ersten Blick nicht wirklich viel – möchte man meinen.
Ersetzt man nun aber Samhain durch den Begriff Halloween, dann macht es schon mehr Sinn, denn aufgezählten Begriffe sind Feierlichkeiten, denn mittlerweile einen entsprechenden Bekanntheitsgrad haben.

Weshalb ich das nun so explezit erwähne?

Weil es bei meinem letzten Urlaub auf Amrum Teil einer Unterhaltung war.

Auf Amrum, und nicht nur dort, wird immer mehr darüber geredet, dass das Biikebrennen mittlerweile zu einem Ereignis für Touristen verkommen ist.
Das mag stimmen, denn gerade in Nordfriesland wird dieses Ereignis schon seit einigen Jahren immer wieder groß beworben, was zur Folge hat, dass gerade die Inseln zu dieser Zeit restlos ausgebucht sind.

Tatsächlich könnte man sagen, dass das Biikebrennen, welches sogar von der Insel Sylt im Internet via Livestream übertragen wird, zu einem Touristenmagneten außerhalb der Saison geworden ist.

Natürlich, für eine Region, die fast ausschließlich vom Tourismus lebt, sind solche Ereignisse eine zusätzliche Einnahme, und man wäre nun wirklich mit dem bekannten Klammerbeutel gepuddert wenn man auf dieses Geld verzichten würde.

Allerdings endet die Geschichte hier nicht, denn neben dem traditionellem Biikebrennen gibt es auch das Osterfeuer, und genau hier wird es interessant, denn was im Februar die Biike auf den Inseln und dem Festland in Nordfriesland ist, das ist am Sonnabend vor Ostern im Rest Norddeutschlands das Osterfeuer.

Der geneigte Lesende wird sich nun fragen, weshalb man dann auf den Inseln auch ein Osterfeuer abhält?
Nun, auch hier geht es um das liebe Geld, denn da zu Ostern, wie auch zu Weihnachten, die Inseln gut ausgebucht sind, möchte man den Gästen natürlich etwas bieten.
Und warum nicht etwas, was sie eventuell von zuhause her kennen.

Frage: weshalb fährt man noch mal in den Urlaub?
Antwort: Um sich zu erholen und eventuell auch mal etwas anderes zu erleben als das, was man von zuhause kennt.

So ist es zumindest bei mir, und deshalb frage ich mich, weshalb es, auf Amrum, am 21. Februar die traditionelle Biike gibt UND Wochen später ein Osterfeuer (was man so hier gar nicht kannte)?

Sicherlich, alles für die Touristen, doch sollte man vielleicht nicht mal darüber nachdenken, welche eigenen Traditionen man hat und diese lebendig halten?

Und damit wäre ich beim Oktoberfest, denn das kenne ich natürlich auch aus Hamburg.

Kein Witz, in Hamburg wird in der Fischauktionshalle standesgemäß das Oktoberfest gefeiert.
Und zwar mit allem was dazu gehört.
Weißbier, Weißwurst, Brezel und die entsprechende bayrische Kleidung der Norddeutschen.

Kulturelle Aneignung in der absoluten Reinform gewissermaßen.

Nichts anderes ist das Osterfeuer auf den Inseln in meinen Augen, und das meine wirklich absolut wertefrei, denn mir persönlich ist es egal wer was wann und mit welchem Outfit man feiert, doch ich mag es nicht, wenn man beginnt die eigenen Traditionen als Folkure zu bezeichnen und auch so darzustellen.
Tut man das, dann läuft etwas grundsätzlich schief.

Warum die Brauchtümer anderer Regionen übernehmen und die eigenen hintenan stellen?

Ein Beispiel aus meiner eigenen Kindheit.

Ich bin zweisprachig aufgewachsen – Platt- und Hochdeutsch, doch letztendlich hat sich das Hochdeutsche durchgesetzt.
Plattdeutsch, so wurde uns immer gesagt, reden nur die Bauern und die Zurückgebliebenen.

Für uns hatte es einen Vorteil, denn so konnten wir uns in der Öffentlichkeit unterhalten ohne das andere Menschen um uns herum auch nur ein Wort verstanden haben.

Das, was für uns normal war, wurde zu einer Geheimsprache.

Nur, warum wurde unsere Sprache so behandelt, während ein Dialekt in Bayern als normal empfunden wurde?

Warum besinnt man sich nicht mehr auf die eigenen Werte und lebt diese anstatt anderes zu übernehmen?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, und damit wäre ich auch bei Samhain, bzw Halloween.
Es ist schon fast eine Tradition, dass dieses Fest verteufelt wird (kommt, das Wortspiel ist einfach nur herrlich), und dabei es hat es doch eine lange Tradition.

Sicherlich, wahrscheinlich wurde diese Zeit nicht überall gefeiert, doch das hat sich im Laufe der Zeit geändert.

Der Unterschied zwischen den oben genannten Beispielen und Samhain (nicht Halloween), liegt einzig in der Tatsache, dass es sich hierbei um ein religiöses Fest handelt.

Der Kommerz, und damit Halloween wie wir es heute kennen, kam erst später hinzu.
Wenn man diesen Aspekt verteufelt, dann bin ich fast schon dabei, denn ich bin wahrlich kein Fan von der Idee aus allem irgendeinen finanziellen Vorteil zu schlagen.

Ganz im Gegenteil.

Auch Halloween geht mit weniger Kommerz, doch das ist, wie alles in diesem Beitrag, meine persönliche Ansicht.

Wenn die Nordfriesen Osterfeuer entfachen möchten, dann können sie es selbstverständlich.
Wenn die Hamburger im Oktober heiß auf Trachten und Dirndl sind, dann ist das völlig ok.

Aber erwartet nicht, dass es Menschen gibt, die das mitmachen möchten.

Akzeptiert, dass es Menschen gibt, die sich auf die Werte zurückziehen, die vor Ort Tradition sind.
Akzeptiert euch – GEGENSEITIG.

Eine Antwort auf „Alles kulturelle Aneignung?…oder ein Beitrag zu mehr gegenseitiger Toleranz

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  1. Moin, auch auf dieser Plattform.
    Dein Text trifft sowas den Nagel auf den Kopf. Er sollte überregional erscheinen.
    Offenbar ist es, momentan so, je mehr wir über Toleranz reden, desto intoleranter, wird die Zeit.
    Fasziniert, zu beobachten.
    LG 🙋🏼‍♀️

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