Jahrestage – das sind so Tage, mit denen ich im Grunde genommen so rein gar nichts anfangen kann, denn meistens sind es immer nur andere, die einen Grund zum Feiern suchen und selten ist es man selbst.
So mache ich um solche Tage mental immer einen großen Bogen, denn mir persönlich ist es völlig egal was für ein Tag gerade ist.
Es gibt aber auch eine Ausnahme – der heutige Tag.
Der 3. Januar hat sich fest in mein Leben eingeprägt; fester als mein Geburtstag oder Todestage irgendwelcher Verwandten, an die ich sonst auch nicht denke.
Der 3. Januar ist in meinem Leben eine Zesur; es ist der Tag, der mein Leben so komplett geändert hat.
15 Jahre ist es nun her.
Ich hatte einen schönen Sonntag genossen, hatte ein herrliches Frühstück in netter Gesellschaft und war anschließend spazieren.
Ja, es lag Schnee, doch das störte mich nicht, denn schließlich war ich am Morgen schon joggen.
Mein Weg führte mich in den Klövensteen und ich genoß die Ruhe, die mich umgab.
Ein kleiner Stop in der kleinen Waldschänke und anschließend zurück nach Hause um dort den restlichen Sonntag genießen – das war zumindest mein Plan, von dem ich ledigich den Stop einhalten konnte, denn auf dem Weg nach Hause passierte es.
Wie, das weiß ich bis heute nicht, doch plötzlich fand ich mich auf dem vereisten Boden liegend wieder und ich konnte nicht aufstehen.
Handy?
Klar, wenn man Empfang haben würde – was in meinem Fall leider nicht so war.
Alles weitere ist in meinen Erinnerungen nicht vorhanden.
Lediglich dieses unersägliche Gefühl von Schmerzen, die meinen Körper vollständig ausfüllten schienen, ist in meinen Erinnerungen präsent.
Und nicht nur dort.
Der nächste klare Gedanke, die nächste Erinnerung, ist aus dem Krankenhaus und eine Diagnose, die mich umhaute.
Oberschenkelhalsbruch mit Schäden an Nerven und Muskeln.
Rollstuhl.
Ich saß nun darin, unfähig alleine daraus zu kommen, doch war das meine Zukunft?
Ein Leben in diesem Teil nur weil ein Bein nicht möchte?
Nein!
Mit diesem einem Wort begann ein Kampf gegen mich selbst.
Ein Kampft, der bis heute anhält.
Noch vor der Reha begann es mit langsamen Übungen in meiner Wohnung.
Wenn man alleine aufs Klo kann, dann muß doch auch mehr möglich sein verdammt.
Der erste Schritt mit der Erkenntnis, das der Wohnzimmertisch leergeräumt werden muß, denn nochmal würde ich es nicht schaffen alles vom Boden zu räumen was ich hab mitgerissen als ich hingefallen bin.
Nächster Versuch, und diesmal die ersten Schritte.
Himmel, wie ich diese Krücken hasse, aber besser die als der Rollstuhl.
Die erste Zigarette auf dem Balkon, die erste Stufe im Treppenhaus – kleine Schritte voller Schmerzen und doch für mich Erfolge im Kampf gegen den Stuhl.
Die Reha, drei Wochen im tiefsten Winter, doch diese Zeit war für mich das Beste, denn diese Extreme, Räumungspflicht war für viele Menschen schon 2010 eine reine Theorie, hat mir täglich meine Grenze gezeigt.
Immer bis zur Grenze – und drei Schritte weiter.
Schmerzen werden zum täglichen Begleiter, der Stock kommt immer öfter zum Einsatz und durchgehender Schlaf voller Erholung nur noch Teil meiner Erinnerung, doch alles ist besser für mich als das Leben im Rollstuhl.
Es ist ein Weg, den ich bis heute gehe.
Heute und in Zukunft.
Seit nunmehr 15 Jahren.

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