Das Gebiet, welches im allgemeinen als Germanien bezeichnet wird, umfasste damals, als dieser Begiff von den Römern das erste Mal benutzt wurde, lediglich das Gebiet nördlich der Grenze, und es ist davon auszugehen, dass dieser Begriff verwendet wurde um den Feind, nichts anderes lebte dort, in der eigenen Gesellschaft zu stigmatisieren.
Nun, dieser Begriff lebt bis heute weiter, und er hat unser Bild über die Menschen, die in diesem Gebiet lebten, bis heute geprägt.
Reden wir heute über Germanien im historischen Sinne, politisch wurde dieser Begriff ja bekanntlich von den faschistischen Wichsern im Dritten Reich schon missbraucht, dann umfassen wir ein Gebiet vom Rhein bis hoch in das heutige Schleswig-Holstein, und auch wenn dieses Gebiet riesig erscheinen mag, so haben sie Menschen, die dortrin leben, einen Glauben, der bei allen Unterschieden sehr ähnlich ist.
Skandinavien übrigens gehörte nicht dazu, auch wenn es heute als Nordgermanische Bereich angesehen wird, doch das hat in erster Linie etwas mit der Indogermanischen Sprachfamilie zu tun und wird Teil eines weiteren Beitrages zu diesem Thema sein.
Was aber waren das für Stämme, die in diesem Gebiet liebten?
An dieser Stelle möchte ich, getreu der Serie „Die Germanen und ihre Götter“ aus dem Podcast, einen Überblick genau darüber geben.
In den nächsten Beiträgen werde ich dann einzeln auf die jeweiligen Stämme eingehen.
Auf dem Gebiet der Germanen gab es zahlreiche Stämme. Die Gemeinschaften zeichneten sich meist durch eine gemeinsame Sprache/ Dialekt sowie gemeinsame religiöse Traditionen und Rituale aus und schon der römische Schreiber Tacitus fasst in seinen Ausführungen zur magna germania, neben der Edda ein weiteres Schriftstück über die Germanen und ihren Glauben, einzelne germanische Stämme zu bestimmten Gruppen zusammen.
Und auch aus heutiger Sicht werden die germanischen Stämme zur Zeitenwende in sechs territoriale Großgruppen eingeteilt.
Und wenn ich schreibe Zeitenwende, dann meine ich nicht die, welche im Deutschen Bundestag benutzt wurde.
Vielmehr steht dieser Begriff in diesem Zusammenhang tatsächlich für den Beginn der christlichen Zeitrechnung; also von der Zeit 1 v. Chr. zum Jahr 1. n. Chr.
Bei den Stämme unterscheidet man anhand der Siedlungsgebiete in verschiedene Gruppen, doch, und auch das wird deutlich, gibt es hier im Laufe der Zeit starke Veränderungen.
Die Siedlungsgebiete werden wie folgt unterteilt:
Nordseegermanen
Nordgermanen
Elbgermanen
Rhein-Weser Germanen
Oder-Warthe Germanen / Przeworsker Kultur
Weichselgermanen
Diese Aufteilung ist, wie schon erwähnt, lediglich Oberflächlich, denn unter ihnen finden sich, grob geschätzt, über 40 kleine germanische Stämme, und sie trifft absolut keine Aussage darüber, wie die einzelnen Stämme untereinander aggierten.
Das änderte sich um das 3. Jahrhundert nach Chr..
Ab dieser Zeit bildeten sich Stämme, welche in Anzahl der Mitglieder und Größe des ‚Herrschaftsbereiches‘ dominierten.
Man darf jetzt aber nicht denken, daß es sich hierbei diese ’neuen‘ Stämme anhand der jeweiligen Siedlungsgebiete zu deuten sind; das wäre falsch.
Tatsächlich geht man davon aus, das es sich hier um konkrete Zusammenschlüsse und Bündnisse zwischen den Stämmen handelt.
Die Teilstämme der Großstämme arbeiteten größtenteils zusammen und nicht gegeneinander – sie waren Verbündete.
Diese neuentstandenen Stämme nennt man Alamannen, Burgunden, Franken, Goten, Langobarden, Quaden, Friesen, Markomannen, Sachsen, Thüringer und Vandalen.
Um genau diese Stämme wird es nun gehen, und ich möchte jetzt schon mal darauf hinweisen, dass der Name dieser Stämme nichts mit heutigen Gebieten oder Ländern zu tun haben.
Apropos Länder – viele bezeichnen die Mitgliedsländer der Bundesrepublik als Bundesländer, doch das ist, auch wenn es immer wieder so genannt wird, defacto falsch.
Tatsächlich besteht die Bundesrepublik aus Ländern, die Kompetenzen an den Bund abgegeben haben und so die Republik gegründet haben.
Die Bundesrepublik ist also ein Bündnis aus verschiedenen Ländern und soweit zur aktuellen Politik.
Es versteht sich von selbst, dass die unterschiedlichen Stämme auch einen unterschiedlichen Glauben haben, denn, das hatte ich ja schon erwähnt, war der Glaube den jeweiligen regionalen Begebenheiten geschuldet.
Das betrifft jedoch nicht die jeweilige Lebensweise, denn auch wenn sich die meisten dieser Stämme rivalisierend und zum Teil sogar feindlich gegenüberstanden, so waren sie sich im Denken und Leben jedoch sehr ähnlich.
Das Leben innerhalb dieser Stämme einfach und ländlich
Es gab Landwirte, Viehzüchter und Handwerker, wobei die Währung der Tauschhandel war, denn Geld, also eine einheitliche Währung, gab es nicht.
Der Begriff Stamm bezeichnet die Gesamtheit einer Siedlungs- und später einer Dorfgemeinschaft und diese lässt sich in folgende Teile untergliedern.
Die Familie
Die Familie war definitiv die kleinste Einheit eines Stammes und hatte einen männlichen Familienoberhaupt.
Zur Familie eines Mannes gehörten Frau und Kinder, aber auch Knechte, Mägde oder Sklaven. Das Oberhaupt schützt seine Familie und die Mitgliederder Familie schworen ihm dafür die Treue.
Tatsächlich wurde auch bei den germanischen Stämmen zwischen freien und unfreien Personen unterschieden.
Frei waren alle offiziellen Mitglieder des Stammes, wohingegen die Sklaven, das Sklaventum war tatsächlich weitverbreitet, als unfreie Mitglieder anzusehen waren.
Eine Sippe hingegen war damals eine Art Zusammenschluß mehrerer Familien, die miteinander verwandt waren und die, auch wenn sie zu einem bestimmten Stamm gehörten, sich selbst verwalteten, doch egal wie groß diese Sippe war – rief der Anführer eines Stammes, dann kamen alle zusammen.
So zum Beipiel zum Thing, welches die Versammlung aller freien Männer des Stammes war.
Wir kennen diesen Begriff und die meisten von uns denken dabei immer an ein basisdemokratisches Treffen, doch war es das wirklich?
Nun, beim Thing wurden wichtige Entscheidungen getroffen; es wurde das Stammesoberhaupt gewählt (oder wieder abgesetzt) und es wurde über Streitigkeiten und sonstige Fragen entschieden, aber demokratisch nach heutigen Maßstäben?
Wir neigen heute dazu unsere Sichtweise auf die damalige Zeit zu legen, und das ist eindeutig ein ganz großer Fehler, denn aus heutiger Sicht war ein Thing mit Sicherheit nicht demokratisch, denn ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Stammesführer sich so ohne weiteres abwählen ließ.
Auch die Tatsache, dass ganz offensichtlich nur Männer daran teilnehmen konnten sehe ich aus heutiger Sicht eher undemokratisch, aber damals war es ganz offensichtlich so.
Persönlich sehe ich das, was wir über den Thing wissen, schon als ziemlichen Fortschritt an, und schaut mal einmal genauer hin, dann hat sich diese Art ja auch bis in unsere heutige Gesellschaft gehalten und ausgebaut.
Natürlich wußte man schon damals, dass man nicht alleine auf Feld und Flur lebte, und wo Menschen aufeinandertreffen, da entstehen zumeist Konflikte.
Zwar werden die Stämme gemeinhin als Germanen bezeichnet, doch man kann davon ausgehen, dass diese Bezeichnung lediglich von außerhalb kam.
Auch ist davon auszugehen, dass die jeweiligen Stämme untereinander nicht gerade friedlich miteinander lebten und nur selten sowas ähnliches wie Bündnisse schlossen.
Aber, was waren das nun für Stämme?
Darauf gehe ich in den nächsten Beitrag genauer ein, denn da möchte ich mir zusammem mit euch eine Reise zu eben diese Stämmen unternehmen.
Die Germanen und ihre Götter – Die Stämme

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