Wenn man von den Friesen redet, dann sollte man sich darüber im Klaren, sein, dass es im Grunde genommen 2 Arten dieses Stammes gab, doch dazu am später mehr.
Die Friesen, ein traditionell seefahrendes Handelsvolk, sind heute eine Bevölkerungsgruppe, die an der Nordseeküste in den Niederlanden und Deutschland lebt, weswegen die Nordsee bis ins Hochmittelalter hinein als mare frisicum, Friesisches Meer, bezeichnet wurde.
In beiden Ländern sind die Friesen als nationale Minderheit anerkannt, wobei die Friesen in Deutschland auch als Volksgruppe anerkannt sind, was den Status der nationale Minderheit nicht mindert. doch während in der niederländischen Provinz Friesland neben Niederländisch das Westfriesische anerkannte Amtssprache ist, ist der Status der friesischen Sprachen in Deutschland schwächer.
Persönlich bedauere ich dieses, wo doch das Plattdeutsche einen solchen Status mittlerweile hat.
Hier hat die Politik auf jeden Fall erheblichen Nachholbedarf.
Das es einen Stamm der Friesen gab, das ist seit der Antike belegt, doch nach zahlreichen Untersuchungen geht man nicht mehr davon aus, dass die damaligen Friesen kaum etwas gemein hatten mit der heutigen Gruppe der Friesen – was jetzt auf jeden Fall nicht negativ gemeint ist.
Es ist das übliche Problem – keine vorhandenen schriftlichen Quellen.
Allerdings gibt es Funde, die zum Teil letzte Zwischeneiszeit zurück datiert werden können, aus der Mittelsteinzeit sind Funde aus dem Gebiet des sogannten Brockzeteler Moors erhalten und ab der Jungsteinzeit vergrößern sich die Funde.
So wurden Steinbeile und andere Werkzeuge, Becher, Urnen und anderes gefunden, wobei hier die Bodenbeschaffung ein Vorteil ist, denn das damalige Siedlingsgebiet war anders als heute nicht eingedeicht und deswegen als Marschland sehr moorartig.
So konnte man Moor von Georgsfeld einer der ältesten bisher bekannten Pflüge der Welt finden, welcher zunächst in das 4. Jahrtausend vor Christus datiert wurde.
Neuere Untersuchungen ergaben, das er wesentlich älter ist und wahrscheinlich aus der frühen Bronzezeit stammt, als aus einer Zeit 1940 bis 1510 v. Chr.
Frühestens ab 300 v. Chr. entstanden an der friesischen Küste die Warften oder Wurten, welches die Bauten vor dem Hochwasser schützen da sie nun höher gebaut wurden.
Eine Besiedelung des Marschlandes, also eine Besiedelung weit hinter der eigentlichen Küstenlinie, die im 1. Jahrhundert vor der Zeitenwende begann, ist wohl der Grund einer verheerenden Sturmflut zu sein.
Die erste Erwähnung der Friesen stammt von Plinius dem Älteren und steht in Zusammenhang mit den Drusus-Feldzügen aus der Zeit 12 bis 8 v. Chr.
Im Jahr 12 v. Chr. fand Drusus in den Friesen Verbündete.
Einige Jahrzehnte später wurden die Friesen, die in diesen Texten auch Frisii genannt werden, vom römischen Historiker Tacitus erwähnt.
Tacitus unterteilt die Friesen Große und Kleinere Friesen und geht hier wahrscheinlich auf die Anzahl der jeweiligen Stammesmitglieder ein, wobei beide Stämme entlang der Mündung des Rheins leben, außerdem beschreibt Tacitus die Chauken als ein Stamm, welcher sich von den Friesen abgespalten hatte.
Schaut man sich die Forschung an, dann stellt man fest, dass zwischen den Friesen von damals und denen von heute lediglich die Verwendung des Stammesnamens die Verbindung ist, doch woran liegt das?
Nun, man geht davon aus, dass die ursprünglichen Friesen eine Rheinwesergermanische Sprache gesprochen haben; womöglich sogar anfangs mit einem Hauch von Keltisch, was interessant ist, denn es bedeutet, dass die Kelten weiter verbreitet waren als man vielleicht denkt, doch dieser Teil der Sprache verschwand mit der Zeit.
Die Friesen bildeten später möglicherweise den anfänglichen Kern der größeren fränkischen Stammesvereinigung, die im 3. Jahrhundert n. Chr. entstand, wobei die Gebiete nördlich des Rheins, einschließlich des heutigen Frieslands, offensichtlich für bis zu drei Jahrhunderte weitgehend unbesiedelt waren.
Die modernen Friesen, das heißt die Sprecher der friesischen Dialekte, tauchten schließlich erstmals im Frühmittelalter auf.
Sprachliche und archäologische Beweise legen nahe, dass diese Menschen ursprünglich von der Jütland-Halbinsel in Dänemark kamen und zur gleichen Zeit wie andere eng verwandte Völker im späten 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. nach Friesland kamen, unter ihnen vermutlich auch die Sachsen und die Angeln.
Die Annahme des Namens „Friesen“ durch sie wurde höchstwahrscheinlich extern verursacht durch die fortgesetzte Verwendung von „Frisia“ durch die Franken, um das Gebiet unmittelbar nördlich des Rheins zu beschreiben, denn die älteste Nennung des Namens für die neuen oder aktuellen Friesen werden auf das 10. Jahrhundert datiert.
Das macht deutlich, dass sich vor allem der Gebietsname bewahrt hatte; der Name für den Stamm allerdings eher schwammig war.
Tatsächlich die Quellenlage über die Friesen für die Zeit vom 4. bis 7. Jahrhundert sehr dünn.
Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass die Bevölkerungszahlen um 300 n. Chr. massiv zurückgegangen sind; vermutlich hatte sich höchstens eine Restbevölkerung gehalten.
Um das Jahr 500 wurde dieses Gebiet allerdings größtenteils neubesiedelt.
Archäologen haben herausgefunden, dass die ehemaligen Wohngebiete der Friesen um diese Zeit einen starken Zuzug aus den umliegenden angelsächsischen Stammesgruppen zu verzeichnen hatten und auch genetische Forschungen zeigen eine starke Verwandtschaft zwischen Friesen und Angelsachsen.
Die Gedanke, dass die „Ur-Friesen“ überhaupt germanischen Ursprungs waren, wird heute nicht mehr vertreten. Ihre Sprache, über die vor allem die überlieferten Gewässernamen Auskunft geben, wird eher als protogermanisch oder vielleicht auch keltisch beeinflusst charakterisiert. In wieweit sich die Neuankömmlinge der Völkerwanderungszeit von den benachbarten sächsischen und fränkischen Siedlergruppen unterschieden haben, ist ungeklärt.
Für das 5. Jahrhundert wird vermutet, dass sich Teile der Küstenbevölkerung an den Raub- und Eroberungszügen der Angeln und Sachsen beteiligten und es ist historisch überliefert, dass die Jüten über das damalige Friesland nach Britannien einfielen, was auch dort ihr südöstliches Siedlungsgebiet erklärt.
Dieses war am kürzesten über die Küstengebiete der heutigen Provinzen Zuid- und Noord-Holland zu erreichen, und diese gehörten geschichtlich zum einstigen Siedlungsgebiet der Friesen.
Es ist durch Bodenfunden belegt, dass die Jüten sich südlich der späteren Stadt Dorestad niedergelassen und eine längere Zeit dort gewohnt haben, wobei sie während dieses Aufenthaltes an der Rheinmündung sprachlich ihren friesischen Nachbarn angepasst haben.
Am Ende des 6. Jahrhunderts besetzten die Friesen, die ’neuen‘ Friesen, die Küste von Flandern bis zur Wesermündung, und auch die Geestinseln Schleswig-Holsteins und Helgoland, wo später friesisch gesprochen wurde, gehörten vermutlich zum friesischen Siedlungsgebiet. Im Süden beteiligten die Friesen sich im 7. Jahrhundert an der Gründung der Handelssiedlung Dorestad.
Im Osten überquerten sie der Weser bis zum Cuxhaven. Friesische Kaufmannsquartiere fand man seit dem 8. Jahrhundert rund um die Nordsee von Nordfrankreich und Ostengland bis Skandinavien und dem Mittelrheingebiet.
Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg über die Sachsen ganz Friesland einschließlich der östlichen Gebiete bis zur Weser für das fränkische Reich. Er vertrat eine Politik, die den einzelnen Stämmen im Reich eine gewisse Autonomie sicherte. Aus diesem Grund ließ er gegen Ende des 8. Jahrhunderts die überlieferten germanischen Stammesgesetze aufzeichnen, so auch die Lex Frisionum, das alte Gesetz der Friesen.
Etwa um 800 besiedelten Friesen die heutigen nordfriesischen Inseln zwischen Eiderstedt und Sylt, wobei diein den Uthlanden wohnenden Friesen als „Königsfriesen“ direkt der dänischen Krone unterstanden und somit außerhalb der Herrschaft der Franken, die an der Eider endete.
Deutlich später, vermutlich im 11. Jahrhundert, wurde in einer zweiten Welle dann auch die Westküste Süderjütlands, das spätere Herzogtum Schleswig, zwischen den Flüssen Eider und Vidå besiedelt.
Vermutlich entstanden so die ersten Aufteilungen, die wir heute als Nord- und Ostfriesen kennen.
Unter der Frankenherrschaft wurden die Friesen im alten Kernland, das heute Ostfriesland, christianisiert, was bis zum Jahr 800 dauerte.
War zunächst die Oberschicht zum Christentum konvertiert, so dauerte es bei der einfachen Bevölkerung länger. Die an die jütische Küste in Schleswig ausgewanderten Friesen wurden dagegen erst im 11. Jahrhundert Christen.
Dies geschah erst, nachdem die Annahme dieser Religion nicht mehr automatisch die Unterwerfung unter die fränkische Herrschaft bedeutete.
Tatsächlich ist Friesland eine Besonderheit, denn es gab Zeit im heutigen Ostfriesland, die vermutlich der Auslöser der heutigen Eigenschaft aller Friesen ist – Lieber Tod als versklavt.
Um das Jahr 1300 vertrieben die Friesen die Grafen, welche von den Franken eingesetzt wurde, und damit begann eine Zeit, wie es sie in Europa so kein zweites Mal gab – die sogenannte Friesische Freiheit.
Es begann eine Zeit der friesischen Selbstverwaltung, was einen gravierenden Unterschied zu anderen Territorien in Europa bedeutete.
Im heutigen Ostfriesland, von der Zuidersee bis zur Weser, entstanden zahlreiche kleine Landesgemeinden, die in der Regel freiheitlich und genossenschaftlich organisiert waren und eigene Ratsverfassungen besaßen.
Ein feudalisch System, einer hat der Sagen und der Rest muß es umsetzten, gab es in Friesland nicht, und das macht dieses Volk auch nach der Christianisierung zu etwas ganz besonderem – bis heute.

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