Ragnaröck – Der Versuch einer wissenschaftlichen Erklärung

Mein spiritueller Werdegang ist stark mit den Ahnen verbunden, denn hier hatte ich meine ersten Berührungspunkte dank den Zeitlosen.
Das hat mich geprägt, denn das Thema Götter, und generell die nordische Mythologie, sind demnach realtiv spät in mein Leben getreten – und haben mich letztlich zu dem Mantra Die Ahnen sind die Götter, doch die Götter sind die Ahnen gebracht.

Ich weiß, dieses Mantra kommt in weiten Teilen der heidnischen Szene nicht gut an, denn stellt es doch die Götter letztendlich auf eine Stufe mit den Menschen (und umgekehrt), doch genauso sehe ich es, und ich möchte es anhand eines kleinen und doch sehr zentralen Themas der nordischen Mythologie deutlich machen – Ragnaröck.

Schon im letzten Beitrag hatte ich das Thema ja unter dem Aspekt von Odin betrachtet, doch ruft man sich nun mein oben genanntes Mantra vor Augen hält, dann stellt sich die Frage nach dem Kern dieses zentralen Punktes.

Gibt es überhaupt einen solchen Kern?

Nun, lasst es mich so formulieren – Ja.

Tatsächlich war es das Buch Die wahre Geschichte der Winkinger von Neil Price, welches mir diese schon lange Frage erklärt hat.

Wer dieses Buch noch nicht kennt, dem sei es wirklich ans Herz gelegt.

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Der Autor geht zu Beginn auf ein Ereignis ein, welches für die damalige nordische Welt prägend war – und letztlich auch jene auf den Plan rief, die wir heute allgemein unter dem Begriff Wikinger kennen.

Tatsächlich gab es in der Zeit zwischen 536 und 540 n. Chr. verheerende Vulkanausbrüche, welche weitreichende Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaften weltweit, insbesondere aber auf der Nordhalbkugel, hatte.

Beschreibungen, wie zum Beispiel den Fimbulwinter aus der Edda, finden wir auch als Folgen solcher Naturkatastrophen, und diese klimatische Veränderung hat noch weitere Folgen.
Durch die Verdunkelung des Himmels und Abkühlung, ausgelöste durch einen dichten Schleier aus Asche und Schwefelgasen, wird über Monate, teils sogar über Jahre, das Sonnenlicht blockierte.


Zeitgenössische Quellen aus dem Römischen Reich und China berichten von einer „blassen Sonne“, die „wie der Mond“ schien, und von einer fast vollständigen Verdunkelung des Himmels, sodass die Sterne selbst am Tag nicht mehr zu sehen waren.


Infolge dessen sank die globalen Durchschnittstemperaturen vermutlich um bis zu 2 Grad Celsius, in einigen Regionen sogar noch stärker, und das führte zu außergewöhnlich kalten Sommern, Frösten im Juni und Schneefällen auch in südlicheren Regionen.


Tatsächlich wird die nordische Vorstellung des Fimbulwinters, drei aufeinanderfolgende Winter ohne Sommer, oft mit diesen Ereignissen in Verbindung gebracht.


Dieses Ereignis führte schlußendlich zu Hungersnöte durch Missernten, denn die extrem kalten Temperaturen und die verminderte Sonneneinstrahlung führten zu massiven Ernteausfällen.


Pollenanalysen haben gezeigt, dass in vielen Regionen die Getreideproduktion drastisch zurückging und Ackerflächen aufgegeben wurden, die dann wieder zu Wald wurden. In Skandinavien, wo die klimatischen Bedingungen ohnehin anspruchsvoller waren, waren die Auswirkungen besonders schwerwiegend, denn hier, wo die Hauptquelle die Landwirtschaft war, brach die Nahrungsmittelversorgung völlig zusammen.

Das wiederum sorgte wird für eine mangelnde Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung, was zu einem zu einem massiven Bevölkerungsrückgang führte.
Schätzungen für einige Regionen Skandinaviens (z.B. Norwegen, Schweden, Dänemark) gehen davon aus, dass bis zur Hälfte der Bevölkerung starb oder wegzog, was durch archäologische Funde von verlassenen Siedlungen und Häusern bestätigt.

Das sowas einen Umbruch in der Gesellschaft zur Folge hat liegt auf der Hand, denn wenn Grundversorgung zusammenbricht, dann entstehen Anarchie und Verzweiflung.


So könnten in Skandinavien diese Ereignisse zu einer Zunahme von Hortfunden (Niederlegung von Goldschätzen) geführt haben, was als Reaktion auf die Unsicherheit und als Opfergaben interpretiert wird.


Übrigens, nicht nur in Europa sorgte dieses Ereignis für Umbrüche; es gab tatsächlich globale Folgen.


So wird zum Beispiel der Niedergang großer Kulturen wie der Maya-Kultur in Mittelamerika ebenfalls mit den Auswirkungen dieser Vulkanausbrüche in Verbindung gebracht, da der zweite tropische Ausbruch (vermutlich der Ilopango) dort direkte und verheerende Folgen hatte. Auch das bedeutende Zentrum Teotihuacán in Mesoamerika erlebte einen Niedergang.

Und was hat das nun mit der Mythologie zu tun?
Eine ganze Menge, denn die damaligen Menschen hatten beiweitem nicht das Wissen welches wir heute, theoretisch, haben.


Vieles wurde durch ein Handeln der Götter erklärt, und natürlich fällt ein solches Ereignis ebenfalls dazu.

Es ist unter diesen Vorausichten nur allzu natürlich wenn diese traumatischen Erfahrungen dieser Jahre tief in die nordische Mythologie Eingang fanden und die Vorstellung des „Fimbulwinters“ und der „Ragnarök“ – des Weltuntergangs durch Kälte, Hunger, Chaos und Feuer – maßgeblich prägten.


Die Notwendigkeit, solch existenzielle Bedrohungen zu verarbeiten und zu erklären, führte zur Entstehung und Weiterentwicklung solcher Erzählungen.

Die Ahnen sind die Götter, doch die Götter sind die Ahnen – natürlich ist es lediglich mein Mantra, aber wenn solche historischen Ereignisse solche Auswirkungen haben und es sogar in die Mythologie schaffen, warum dann nicht auch reale Personen?

Wie seht ihr es?

Schreibt es mir in die Kommentare, per Mail oder wo und wie auch immer.

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