Wikinger – Erklärung und Folgen einer Ära

Im vorletztem Beitrag beschrieb ich den vermutlichen Ursprung von Ragnaröck, und schon lange bin ich ein Anhänger der Theorie, dass dieses Ereignis, die Vulkanausbrüche eine Verbreitung dessen befördert haben, was wir heute als Wikingerzeit kennen.

Nun, auf dem ersten Blick mag das wahrscheinlich sein, doch schaut man sich einmal die Geschichte etwas genauer an, dann wird man leicht feststellen, dass diese These im Grunde genommen sehr unwahrscheinlich ist.

Weshalb?
Nun, ganz einfach – allgemein betrachtet man den Überfall auf der Kloster Lindisfarne im Jahr 793 n. Chr. als Beginn dieser Ära, auch wenn es schon vorher derartige Überfälle gerade im Bereich der Ostsee auf die Gebiete wie zum Beispiel das heutige Litauen gegeben hat.
Auch waren die Nordmänner, wie sie im allgemeinen genannt wurden, keine Unbekannten, denn Handel wurde schon lange getrieben, und doch war der Überfall auf Lindisfarne sowas wie eine Zäsur.

Nun, dieser Überfall fand um Jahr 793 statt, also über 200 Jahre nach den Vulkanausbrüchen und den einhergehenden Auswirkungen statt.
Zu behaupten, dass dieses Ereignis also etwas mit dem Beginn der Wikingerära zu tun hat wäre allein aufgrund dieser 200 Jahre ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Sicher?

Fragt man die Wissenschaft, dann auf jeden Fall, aber als Amateurwissenschaftler, ja, so bezeichne ich mich wirklich, habe ich, natürlich, einen anderen Bliclk auf die Dinge.

Die Vulkanausbrüche hatten die Gesellschaft verändert, das steht fest und ist nicht zu leugnen, denn als die eher landwirtschaftliche Bevölkerung von der Landwirtschaft nicht mehr leben konnte, da mußte man sich logischerweise andere Quellen der Nahrungsbeschaffung erschließen.


In einer Region wie Skandinavien, wo man eh schon auch mit dem Wasser lebte, war es nur konsequent, wenn man diesen Weg beschritt, was zur Folge hatte, das die Boote immer leistungsfähiger wurden.
So hatten sich im Laufe der Zeit neue Gruppen gebildet; Gruppen, die eher auf dem Wasser lebten als auf dem Land.
Unter diesen Voraussetzungen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sich auch Gruppen entwickelt hatten, die man heutzutage als Warlords bezeichnen würde.


Sorry, kommt mir jetzt nicht mit „Der Mensch ist gut, er wurde nur dazu genötigt“.


Das ist Schwachsinn, denn der Mensch ist wie er ist, und natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es im Zuge dieser Entwicklung auch Gruppen gab, die schon weit vor dem erwähnten Überfall auf Raubzüge unterwegs waren.

Tja, Arschlöcher gab es schon immer.

Es ist also nicht völlig von der Hand zu weisen, dass diese Vulkanausbrüche nicht die Ära der Wikinger 200 später zumindest indirekt ausgelöst haben.

Nun, hier könnte die Geschichte auch enden, denn schließlich wissen wir alle wie es weiter ging, doch ich möchte mich mit einer weiteren These hervor wagen und behaupten, dass wir es den Wikingern zu verdanken haben das wir zumindest die nordische Mythologie überhaupt kennen.


Tatsache ist, das die Wikinger nie als Ziel hatten ihren Glauben zu verbreiten.
Im Gegenteil, denn wissenschaftlich betrachtet wird diese Ära sogar als Transitionsphase vom Heidentum zum Christentum im Norden Europas, da durch die Mobilität und Kontakte zu anderen Völkern die sogenannten Wikinger unbeabsichtigt den Weg für die Christianisierung Skandinaviens und ihrer Siedlungsgebiete ebneten und wurden später, nachdem sie selbst christianisiert waren, Akteure zur weiteren Verbreitung des Christentums in ihren Einflussbereichen.

Tatsächlich kamen diejeniegen, die sich auf Viking und auf Handelsreisen nach Europa befanden, in direkten Kontakt mit christlichen Kulturen in England, dem Frankenreich und Irland. Ja, sie plünderten Klöster und Kirchen, aber nahmen dabei auch christliche Artefakte mit und trafen auf christliche Gefangene, die sie als Sklaven verschleppten. Diese Kontakte, ob gewaltsam oder friedlich, führten zu einem kulturellen und religiösen Austausch.

Auch lebten sie in den von ihnen besiedelten Gebieten, wie dem Danelag in England, der Normandie in Frankreich oder auch in Russland (durch die Rus), neben christlichen Gemeinschaften, wodurch sie zwangsläufig mit dem christlichen Glauben und seinen Praktiken konfrontiert wurden.

Natürlich kennen wir die Geschichten der Zwangschristianisierung, und natürlich gab es sowas auch im Norden von Europa, doch es gibt auch andere Beispiele, denn zum Beispiel durch Heiraten zwischen Wikingern und Christen kam es auch, dass die Wikinger die Religion ihrer Ehepartner annahmen oder zumindest tolerierten.

Tatsächlich aber war die Christianisierung Skandinaviens (Dänemark, Norwegen, Schweden) etwas, was hauptsächlich von den Königen vorangetrieben wurde.
Die Annahme des Christentums war oft eine politische Entscheidung, um die Königsherrschaft zu festigen, Handelsbeziehungen mit christlichen Königreichen zu erleichtern und sich in die europäische Staatengemeinschaft zu integrieren.

Ein bekanntes Beispiel ist Harald Blauzahn in Dänemark, der stolz auf dem Jelling-Stein verkündete, „die Dänen zu Christen gemacht“ zu haben.
Der Übergang zum Christentum erleichterte den Handel und die diplomatischen Beziehungen mit dem christlichen Europa. Es wurde festgestellt, dass sich die Wikinger von reinen Räubern zu sesshaften Händlern wandelten, was die Gesellschaften nachhaltig prägte.

Allerdings spielten auch christliche Missionare, oft aus dem Frankenreich oder England, eine wichtige Rolle bei der Bekehrung der Wikinger. Der Mönch Ansgar, der sogenannte Apostel des Nordens, ist ein frühes Beispiel für solche Missionierungsversuche.

Und doch waren die Wikinger oft einfach nur pragmatisch in religiösen Fragen, denn archäologische Funde haben gezeigt, dass sie teils sowohl Thorshämmer als auch Kreuze trugen, was auf eine Phase des Nebeneinanders und der Offenheit für neue Glaubensvorstellungen hindeutet, wenn diese Vorteile versprachen.

Warum diese Offenheit endete, welchen Grund es dafür gab, das ist ein offenes Feld der Spekulationen.
Vermutlich war es tatsächlich ein gewisser Druck von oben, also von der Kirche selbst oder direkt aus den jeweiligen Königshäusern, vielleicht war es aber auch einfach ein demographischer Grund.
Ein Grund für die Theorie des Drucks findet man in der christianisierung Islands, wo es eben auf Druck von Norwegen um das Jahr 1000 geschah.

Doch auch im südgermanischen Bereich waren es die Nachfahren der Wikinger, die maßgeblich an der Verbreitung des Christentums beteiligt waren.
Gerade jene, die sich in der Normandie ansiedelten und christianisiert wurden, spielten später eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Christentums und der normannischen Kultur in England nach der Eroberung 1066 und in Süditalien.

Nun, man kann von jenen Menschen, die auf Viking fuhren, halten was man will, aber durch die Raubzüge erfuhren Menschen in anderen Kulturen auch von ihnen und natürlich deren Glauben, und hier sehe ich eine der Keimzellen unseres heutigen Wissens.

Und natürlich interessiert auch hier wieder eure Ansicht zu diesem Thema.

Egal ob als Kommentar, Mail oder wie und wo auch immer – kommen wir einfach mal in die Diskussion.

Ich freue mich drauf…

Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑