Hex – Ein Konzert und ein Album als Medizin für Seele

Das mir Musik hilft mich zu beruhigen und zu mir selbst zu finden, das weiß ich schon länger, aber kann ein Konzert, in dem man bekanntlich ja nicht alleine ist, einen ebensolchen Effekt haben und letztlich Medizin für die Seele sein?

Nun, diese Frage hat sich am 28. Oktober 2025 beantwortet.

Ja, ein Konzert kann Medizin für die Seele sein, zumindest für meine Seele und zumindest wenn es ein Konzert von Faun ist.

Am besagten 28. Oktober 2025 fand nämlich in der Hamburger Laiszhalle das Abschlußkonzert einer Tour statt, wie sie Faun in all den Jahren ihres Bestehens wohl noch nie abgehalten hatte.
Umso glücklicher war ich, als ich bereits im Januar 2025 die Karte hatte, doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht was dieses Jahr alles mitsichbringen würde.

Der Todesfall hat mich verändert, grundsätzlich verändert, und ich war lange am überlegen on und wie es weitergeht vor allem mit dem Podcast.

Auch wegen des Konzertes war ich am überlegen, und ich bin froh, dass es lediglich eine Überlegung war, denn wäre ich nicht hingegangen, dann hätte ich nicht nur eine wunderschöne Zeit versäumt.

Es war nach 2020 das zweite Mal, das ich Faun in der Laiszhalle erleben durfte, und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, wird mir klar, wie sehr ich mich nicht nur in diesen fünf Jahren verändert habe.

Jetzt, nach diesem dritten Konzert, es gab ja noch das Konzert im Grünspan, ist mir aber auch deutlich geworden, das ich einen wichtigen Punkt vergessen habe, denn was ich schon während des Konzertes gespürt habe, das zeigt sich jetzt, Wochen später, umso deutlicher die Wirkung auf meine Seele.

Das dieses Konzert so wundervoll war lag aber nur an Faun allein, denn dieses Mal waren zwei weitere Gruppen dabei.
Begonnen hatte es mit Pettersson und Frediksson, zwei Freunden aus Schweden, die einen, so finde ich, hervoragenden Folk im alten Sinne spielten und mich damit sofort abgeholt hatten.

Pettersson & Frediksson

Die zweite Musikgruppe war das genaue Gegenteil, denn mit Ye Banished Privateers wurde Speedfolk vom Feinsten geliefert.

Ye Banished Privateers

Ja, dieses Konzert war Medizin für meine Seele, und das wurde mit an diesem Abend in dem Augenblick bewusst, als Faun gegen halb neun die Bühne betrat.

Sofort war der alte Zauber, den diese Gruppe bei mir immer wieder auslöst, wieder da, und das lag nicht nur an der Auswahl der Lieder.

Faun präsentierte von Beginn an einen hervorragenden Mix aus neuen und alten Stücken, worunter natürlich die Walpurgisnacht oder Diese kalte Nacht gehörte.
Aber nicht nur dieser Klassiker wurde gespielt, und ich konnte meinen Jubel nicht unterdrücken, als Oliver Satyr das Lied Wind und Geigen angekündigt hatte.

Es war eines der letzten Lieder, welches bei meinem ersten Konzertbesuch im Jahr 2020 gespielt wurde, und nun konnte ich dieses herrliche Stück, welches mich durch so ziemliche alle Höhen und Tiefen des Lebens begleitet hatte, endlich wieder einmal live hören.

Aber es wurden auch, natürlich, neue Stücke gespielt, und gerade hier möchte ich das Stück Lament erwähnen, welches Oliver mit einer kleinen Erklärung ankündigte.

Die Kernaussage des Liedes Lament

Ich kannte das Stück schon von dem neuem Album Hex, und natürlich hatte ich mich mit dem Hintergrund des Liedes beschäftigt, denn in der Version des Albums, die ich habe, werden die jeweiligen Lieder erklärt, doch es macht einen Unterschied ob man es liest oder ob man es mit der warmen Stimme von Oliver Satyr erklärt bekommt.


Lament basiert auf einem alten, vorchristlichen Trauerlied aus dem Norden Englands, dem sogenannten Lyke-Wake Dirge, was übersetzt Wache und Klage für die Toten bedeutet und die Reise der Seele nach dem Tod beschreibt, wobei Faun den Text um einige Strophen erweitert hat.

Es war das letzte Konzert, da lief so manches anders als üblich

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Grenze zu Annwn, der keltischen Anderswelt. weit weniger bedrohlich ist als im christlichen Kontext.

Lament, dieser epischer und emotionaler Trauer-bzw Klagegesang der mit einer mythischen, dunklen und zugleich feierlichen Atmosphäre rüberkommt, passte auf meine persönliche Situation und hatte mich deswegen auch emotional getroffen, inklusive Tränen bei mir.

Faun hat dieses Lied Jürgen Schneider gewidmet, einen langjährigen Freund und Begleiter, der unter anderem für den Sound auf Konzerten zuständig war, der 2023 unerwartet verstorben ist. Diese erweiterten Strophen sind ein Abschiedsgruß und Ausdruck der tiefen Verbundenheit.

Ein weiteres Lied, welches sich auf dem neuen Album Hex findet, ist Nimue.
Dieses Lied, auf dem Album eine Kooperation mit Chelsea Wolfe, geht es um die Geschichte zwischen Nimue, auch bekannt als die Herrin vom See, und dem Zauberer Merlin.

Nimue ist eine mächtige Zauberin, eine Fee und Hüterin des magischen Sees. Sie ist es, die König Artus das Schwert Excalibur überreicht.


Das zentrale Thema des Liedes ist ihre Beziehung zum großen Zauberer Merlin. Nimue betört Merlin und wird seine Schülerin und Geliebte. Er lehrt sie im Laufe der Zeit seine gesamte magische Weisheit und seine Zaubersprüche.


Am Ende nutzt Nimue das von Merlin gelernte Wissen gegen ihn selbst. Sie bannt ihn mit seinem eigenen Zauber für immer in einen heiligen Felsen, einen Dornbusch oder in einen Baum,je nach Version der Sage, um seine unaufhörliche Zuneigung und seine Macht zu kontrollieren.

Adaya

In dem Lied Nimue beleuchtet Faun diese tragische Liebesgeschichte aus der Perspektive von Nimue – die Schönheit und gleichzeitig die Gefahr der weiblichen Macht, die letztlich sogar den mächtigsten Zauberer besiegt, und Faun fragt dabei, ob Merlins Liebe zu ihr am Ende größer war als sein Verlangen nach Macht.

Laura in Action

Die Albumversion dieses Liedes wird durch die Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Künstlerin Chelsea Wolfe besonders geprägt.


Chelsea Wolfe, bekannt für ihren düsteren, atmosphärischen Stil, der oft als Gothic Folk, Doom Metal oder Dark Rock beschrieben wird, sorgt mit ihrer Musik für eine melancholische, geheimnisvolle und oft schwere Tiefe, und obwohl Chelsea Wolfe keine traditionellen Vocals beisteuert, so ist ihr Einfluss auf die musikalische Atmosphäre spürbar.


Ihre Gitarrenklänge und ihr allgemeiner „Dark Gaze“ Stil tragen zu den intensiven, spannungsgeladenen Passagen und dem atmosphärischen Hintergrund bei, was dem Lied eine zusätzliche, düstere und moderne Komponente verleiht und damit perfekt zur Thematik des Verrats und der dunklen Magie passt.

Diese beide Lieder sind nur eine kleine Auswahl aus dem Album Hex, dem zwölften Studioalbum vom Faun, und es steht in der bekannten Tradition der Gruppe.


Hex ist in erster Linie als Koneptalbum gedacht, und Oliver Satyr meinte, das man das Album wohl erst ein paar Mal hören müsste ob hineinzukommen.


Nun, dem kann ich mich nicht anschließen, denn auch wenn Hex in einer für mich schwierigen Zeitpunkt erschien, am 5. September 2025 kam es heraus und am 13. September 2025 starb die Mutter meiner besten Freundin, so hatte es mich vom ersten Hören abgeholt und mich in dieser für mich schwierigen Zeit begleitet, getragen und vor Schlimmerem bewahrt.

Der Titel Hex leitet sich vom althochdeutschen Wort „Hagazussa“ ab, was so viel wie „die Zaunreiterin“ oder „die zwischen den Welten Wandelt“ bedeutet, und genau hier findet sich das Thema des Albums, denn es ist eine musikalische Reise in die Welt der Hexen, Heilerinnen und weisen Frauen aus verschiedenen Kulturen und Epochen.

Ich habe den Eindruck, dass Faun mit diesem Album das Klischee der bösen Märchenhexe beiseite schieben möchte und stattdessen die verschiedenen Facetten der weiblichen Magie, des alten Wissens und der Naturverbundenheit verdeutlichen möchte, denn im gefühlten Hintergrund höre ich unterschwellig die kritische Frage weshalb man die angeblich bösen Hexen fürchtet und nicht die Menschen, die sie verbrannt haben?

Dabei bleibt Faun dem bekannten Stilmix aus Pagan Folk, mittelalterlichen Instrumenten und modernen Klangelementen treu – die typischen Instrumente wie Drehleier von Stefan Groth, Flöten und Dudelsack von Adaya, Schlagzeug von Alex Schulz verschmelzen mit dem Gesang von Laura und Oliver und den Synthesizern, Samplern und Beats von Niel Mitra.

Das alles zusammen ist Faun.

Dieses Konzert war absolute Spitzenklasse und ich hoffe, das Faun auch in Zukunft in Hamburg zu sehen sein wird.

Ich brauche halt meine Medizin.

Wer nun mehr wissen möchte über die hier genannten Gruppen – klickt einfach auf die entsprechenden Links.

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