Walhalla als Propaganda?

Im Podcast hatte ich das Thema bereits (Spotify oder YouTube), doch solche Themen, wie eben Walhalla, gehören auch in den Blog – gerade dann, wenn man es so kontrovers betrachtet wie ich.
Tatsächlich habe ich zu Begriffen wie Walhalla mein ganz persönliches Problem, denn ähnlich wie der christliche Glaube an Paradies so sehe ich die Heimstatt der im Kampf gefallenen Krieger sehr kritisch.

Um es kurz zu machen – all diese Geschichten, auch aus dem Islam kennt man sowas, sind für mich nichts anderes als absolute Propaganda.

Das ist meine absolut persönliche Ansicht, denn ich möchte niemanden seinen Glauben in irgendeiner Art und Weise madig machen, doch wenn man solche Mythen so kritisch betrachtet wie ich es tue, dann ist es nur konsequent wenn man, ich, dieses Thema einmal genauer betrachtet, denn wenn man nun glaubt, dass dieses Thema eines aus der Vergangenheit ist, dann irrt man sich.

Während der 2. Weltkrieges sollen sich Soldaten vor der Schlacht voneinander mit den Worten „Wir sehen uns in Walhalla“ verabschiedet haben.
Die Attentäter des 11. September 2001 sollen in ihren Abschiedsschreiben auf die Ewigkeit berufen haben, und gerade hier wird es zynisch ironisch, denn angeblich warten auf besonders Gläube dort 72 Jungfrauen; naja, logisches Denken wird durch religösen Wahn ganz offensichtlich dezent ausgeschaltet.

Auch im christlichen Glauben hat der Glaube an das ewige Leben im Paradies, welches natürlich nur jenen Menschen zuteil wird, die gottes- und bibeltreu leben und was der eigentlich Sinn des Leben ist, dafür gesorgt, dass es einen extremen religösen Wahn gab – und gibt.

Walhalla als Propaganda ist also kein Alleinstellungsmerkmals des Alten Glaubens, doch weil ich von mir behaupte, dass ich mich hier besser auskenne, nehme ich diesen Punkt einfach mal als Beispiel und stelle mir selbst die Frage, was im Namen der Ahnen eigentlich Walhalla ist.

Übersetzen kann man Walhalla mit Die Halle der Gefallenen, und diese Übersetzung ist absolut treffend, denn im Grunde genommen ist Walhahalla nicht anderes als das – und genau das macht den Mythos aus, denn es ist nicht nur eine Halle; es die Halle, mit der man zusammen mit Odin an der Tafel sitzt und sich gemeinsam auf die letzte Schlacht vorbereitet.

Walhalla ist ein Versammlungs- und Trainingsort für die in der Schlacht tapfer gefallene Krieger, den Einherjer.
Sie werden von den Walküren vom Schlachtfeld geholt und ihr Tagesablauf besteht aus täglichem, erbittertem Kampf, wobei alle Wunden am Abend heilen, und anschließendem Festmahl vom sich Tag erneuernde Fleisch des Ebers Sæhrímnir und dem unversiegbaren Met der Ziege Heidrun.

Allerdings ist Walhalla nicht der einzige Ort in Asgard für die Einherjer, denn tatsächlich gibt es noch einen anderen Ort, der jedoch nicht ganz so bekannt ist.
Die andere Heimstatt, die in Asgard für die im Kampf gefallenen Krieger existiert, ist Sessrúmnir – die Halle der Vanengöttin Freyja.


Tatsächlich hat die Göttin Liebe, Fruchtbarkeit, Magie und eben halt des Krieges im Bereich Fólkvangr, einem der Reiche in Asgard, das Recht die eine Hälfte der im Kampf gefallenen Menschen zu sich zu holen während die andere Hälfte eben halt weiterzieht nach Walhalla.

Und ganz ehrlich – könnte ich wählen, dann wäre Walhalla nicht gerade meine erste Wahl, denn während man sich dort, wie schon erwähnt, regelmäßig die Köpfe einschlägt, was Abends dann nicht mehr von Belang ist, so wird Sessrúmnir mit Fruchtbarkeit und Natur in Verbindung gebracht.

Haltet mich für bescheuert, aber wenn ich als Krieger auf die Götterdämmerung warte, dann schon eher in Ruhe bei Freyja.

Diese Aufteilung in Walhall und Sessrúmnir unterstreicht für mich die Komplexität der nordischen Götterwelt, in der Krieg eben nicht nur Sache von Odin war, und das man früher einen anderen Blick auf das Leben und den Tod hatte.

Kommen wir aber mal zurück zu Walhalla und der Ausgangsfrage ob man dieses als Propaganda betrachten kann.

Ich persönlich würde diese Frage eindeutig Ja beantworten, denn wenn man sich einmal die Bilder, die man sowohl von Wahlhalla als auch von Sessrúmnir, vor Augen hält und diese dann vergleicht mit dem Ort Hel, hier gibt es übrigens einen Widerspruch in der Edda, den ich später einmal näher beleuchten werde, dann wird allein hier schon deutlich, dass man, wenn man wählen könnte, sich eher für einen der ersten beiden Orte entscheiden würde statt für jenen Ort, den als ein dunkles, kaltes und nebliges Reich betrachtet.

Der Vollständigkeitshalber muß ich an dieser Stelle erwähnen, dass Hel, oder auch Helheim, kein Ort der Folter im christlichen Sinne ist, sondern eher ein Ort der Tristesse, des Mangels und der Hoffnungslosigkeit und damit das Gegenteil des pulsierenden Lebens und des ewigen Festmahls in Walhall ist.

Nach Hel kommen all jene, die nicht im Kampf gefallen sind, und ist damit auch ein wesentlicher Bestandteil der Propaganda.

Was mich wieder zum eigentlichen Thema bringt.


Stellt euch einmal bitte folgende Situation vor:
Ihr lebt als Bauer und könnt eure Familie gerade so ernähren.
Durch verschiedene Umwelteinflüsse ist der Ertrag eher mager, und genau in dieser Situation kommt nun jemand und verspricht euch die Möglichkeit auf Reichtum und Ansehen.
Ihr müßt dafür lediglich mit ihm für eine Zeit per Schiff losfahren.

Vermutlich zögert ihr, denn ihr wollt eure Familie nicht so lange alleine lassen und überhaupt ist es ja nicht sicher, dass ihr überhaupt zurück kommt, doch da kommt der Typ vor euch mit einem genialen Einwand um die Ecke, denn natürlich ist die Möglichkeit in einem fernen Land zu sterben eher gegeben als bloße Fantasie, doch hey – wenn dem so sein sollte, dann ist es doch nicht schlimm, denn schließlich seit ihr im Kampf gefallen und damit würdig an der Tafel von Odin euch den Bauch von Fleisch voll zu schlagen.


Fleisch!


Und das jeden Tag!

Und das als Held, über den man sich Geschichten erzählt und der in Liedern besungen wird, mit Odin himself!

Wie genial ist das denn nun schon wieder?

Nun, vermutlich war es so, vermutlich hatten viele Menschen aber auch gar nicht die Möglichkeit zu entscheiden, es bleibt jedoch die Tatsache, dass es Menschen gab, die sich auf diese Fahrt begeben haben.

Wir kennen sie als Wikinger.

Ich vermute mal, dass es bei einigen dieser Menschen tatsächlich die Aussicht auf das Essen mit Odin war um sich in diese Gefahr zu begeben, denn man darf die damalige Zeit nicht mit der heutigen Zeit vergleichen, denn damals hatte der Glaube einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft.

Für die Menschen war es kein Glaube – es war die Realität!

Und die besagte, dass die Götter durchaus auch mal unter den Menschen unterwegs waren.

Bedenkt man diesen Aspekt, dann ist es nur logisch, dass man solchen Geschichten wie das Essen mit Odin geglaubt hat.

Und wenn wir einmal an die Berichte über die Wikingerüberfälle denken, dann wird fällt auf, dass sie alle einen Aspekt gemeinsam haben, denn sie alle beschreiben die Furchtlosigkeit der Angreifer.
Sicherlich ist vieles in diesen Berichten übertrieben, denn schließlich geht es darin den Angreifer, das Böse, so darzustellen, dass es anderen Menschen angst macht wenn sie es lesen – was im Übrigen auch eine Art der Propaganda ist.

Warum aber waren die Angreifer nun so furchtlos?
Weil sie den Götter zeigen wollten das sie, und nur sie, würdig waren nach Walhalla zu kommen.
Deshalb.

Deshalb flogen Menschen Flugzeuge in das Wold Trade Center und deshalb erzählen Menschen von den Schrecken der Hölle.

Einfach weil sie zeigen wollten, dass sie es wert waren – und weil andere Menschen ihnen erzählt hatten wie es nach dem Tod weitergeht, bzw weitergehen kann.
Oder könnte.
Oder wie auch immer.

Diese Menschen dachten, sie gehörten zu einer Elite, die nach dem Tod noch eine Aufgabe hatten und sich dieser würdig erweisen wollten.

Ja, Walhalla ist genau so eine religiöse Propaganda wie das Paradies oder die Ewigkeit, denn es soll zeigen wie es nach dem Tod aussieht wenn man bloß treu im Glauben ist.
Und genau aus diesem Grund, unter anderem aus diesem Grund, sehe ich diese ganzen Geschichten als Geschichten aus denen sich mehr entwickelt hat.

Nicht mehr und nicht weniger.

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