Über das Biikebrennen hatte ich bereits eine Podcastfolge gemacht, doch an einem solchen Ereignis teilgenommen fehlte mir noch.
2026 änderte es sich, denn zum ersten Mal passte alles zusammen, und so durfte ich in Husum das live erleben was ich bisher nur via Livestream sehen konnte.

Was aber ist ein Biikebrennen eigentlich?
Nun, auch hier gilt das alte Prinzip – frage 4 Menschen und du bekommst mindestens 8 Antworten.
Tatsächlich, und das steht absolut fest, ist das Biikebrennen ein sehr alter Brauch in Nordfriesland.
Ein Brauch, der weit in die vorchristliche Zeit zurückreicht, und weil er eben so alt ist gibt es auch ganz viel Raum für Spekulationen.
Das Biikebrennen hat sich gewandelt, soviel steht fest, und auch wenn es in Nordfriesland heute einheitlich immer am 21. Februar stattfindet, so war das wohl früher in der Vergangenheit nicht immer der Fall.
Es wird vermutet, dass das Biikebrennen ursprünglich sogar zur NachtTagGleiche, also dem, was wir als Ostara kennen, stattfand.
Erst im Laufe der Zeit, auch vermutlich durch Ausbreitung des Christentums, wurde dieses Fest auf den Abend vor dem Petritag verlegt, und dort finden wir es heute noch.
Warum aber feiern die Nordfriesen die Biike?
Nun, heutzutage könnte man sagen wegen dem Bier und dem Grünkohl.
Traditionell gehört das nämlich dazu, und ehrlich gesagt würde mir persönlich das als Grund schon reichen, aber so ist es natürlich nicht.
In der vorchristlichen Zeit war es ganz offensichlich ein Ritual, welches die Geister des Winters vertreiben sollte. In verschiedenen Texten konnte ich sogar den Namen Wotan lesen, womit die Bike eine ganz andere Bedeutung für mich bekommt, denn so steht die Biike ganz im Zeichen eines hohen Gottes und für mich in direkter Verbindung mit dem Ende der Wilden Jagd.
Schon lange habe ich für mich die Wilde Jagd und die Rauhnächte voneinander getrennt, und während der Recherche für die Podcastfolge kam im Nachhinein dieser Gedanke immer mehr in mir auf.
Folge ich diesen Gedanken, und beziehe die Osterfeuer mit hinein, dann sehe ich mich in dieser Vermutung, dass die Wilde Jagd ursprünglich so rein gar nichts mit den Rauhnächten zu tun hat, bestätigt, demn wenn man die Geister des Winters mit der Biike vertreiben wollte, dann ist es irgendwie naheliegend.
Ein solcher Gedanke ist den Christen natürlich fremd, und deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass man die Biike verbieten wollte, doch schon hier zeigt sich etwas, was die Friesen im allgemeinen und die Nordfriesen im besonderen auszeichnet, denn wen man ihnen etwas verbieten möchte, dann schalten sie einfach auf Stur und machen ihr Ding.
Ich mag die Nordfriesen einfach.
Was nun die Biike betrifft, so wurde sie einfach vorverlegt auf das heutige Datum und hatte damit neue Bedeutungen, denn zum einen begannen am Petritag die sogenannten Heuerverträge und die Walfänger von Sylt, Föhr und Amrum fuhren hinaus ins Eismeer.
Für sie waren die Biiken ein loderndes „Lebewohl“ und das letzte Zeichen der Heimat, das sie eine lange Zeit noch sehen konnten.
Ein weiterer Punkt soll übrigens das traditionelle Thing gewesen sein, welches immer nach der Biike stattfand.
Insofern wäre die Biike auch ein Zeichen für die umliegenden Dörfer gewesen sich zu versammeln.
Letztlich ist es egal welcher Theorie man anhängt, die Symbolik ist geblieben – mit der Biike wird das Alte verbrannt.
Wir verbrennen den Winter, die dunklen Gedanken und das, was uns im letzten Jahr beschwert hat.
Allerdings, und das gehört zur Wahrheit mit dazu, gibt es auch heutzutage Menschen, die diesen alten Brauch, der mittlerweile als Kulturerbe betrachtet wird und dementsprechend auch geschützt ist, abschaffen möchten.
Waren es früher die führenden Vertreter des christlichen Glaubens, so sind es heute wahlweise radikale Umweltschützer oder, kein Witz, radikale Linke.
Fangen wir mal mit der ersten Gruppe an.
Wie bei den Osterfeuern, so kommen Umweltschützer auch beim Biikebrennen mit der Argumentation der Feinstaubbelastung.
Nun, die kann man nicht von der Hand weisen, aber, und das gehört zur Wahrheit mit dazu, ist sie wohl so gering, dass vonseiten der Behörden bisher nicht eingeschritten werden muss.
Etwas anderes ist es mit dem Argument des Tierschutzes, und hier zeigt sich die Unwissenheit dieser Gruppe.
Es wird immer behauptet, dass Tiere die Haufen nutzen um ihren Winterschlaf abzuhalten, doch wenn man sich einfach mal zwei Tatsachen vor Augen hält, dann erkennt man schnell wie dumm dieses Argument ist.
Das Biikebrennen findet am 21. Februar statt, und die riesigen Haufen werden erst so ab Mitte Januar aufgerichtet.
Das alles also zu einer Zeit, in der der Winterschlaf längst stattfindet.
Vielleicht sollte man sich einmal fragen, ob man immer prinzipiell gegen etwas sein muss.
Ein gänzliches anderes Problem sehen irgendwelche daher gelaufen Linke in dieser Tradition, was allerdings wohl weniger mit dem Feuer sondern eher mit dem Fackellauf zu tun hat.
Realität ist, das es einen solchen Marsch gibt, doch dieser hat nun wirklich so absolut keinen politischen Hintergrund.
Was daran „rechtsverherrlichend“ sein soll entzieht sich mir komplett.
Früher wurden die Fackeln übrigens in das Feuer geworfen, und mir wurde zugetragen, dass es auch heute noch so sein soll.
Tatsache ist, dass das Biikebrennen eine alte Tradition ist.
Eine Tradition, die es zu erhalten gilt, denn in ihr zeigt sich das reale Erbe unserer Ahnen.
Wenn also die Fackelläufer ihr Ziel erreicht haben, dann warten sie nur noch auf einen Ausruf –
„Tjen di Biiki an!“.



Und dann, in einer Welt, die sich gefühlt immer schneller dreht, wärmt man sich am Feuer und wartet das die Tonne oben im Feuer fällt, denn dann, so der Glaube der Nordfriesen, wird es ein gutes Jahr.
Ein Jahr mit weitem Herzen und klarem Horizont – Rüm hart, klör kimming.

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