Denghoog auf Sylt

Mal ganz ehrlich – wart ihr schon einmal in einem Hügelgrab?

Nun, ich schon, und genau über dieses Erlebnis möchte ich berichten, denn es soll für mich ein Beginn werden.


Schon oft habe ich über Hügelgräber geschrieben, und meine Ansichten dazu sind längst kein Geheimnis mehr.
Umso faszinierter war ich, nachdem ich in einem Bericht des NDR auf YouTube unter anderem über ein Hügelgrab auf Sylt erfahren, das man sogar von innen besichtigen kann – den Denghoog.

Es war seitdem ein Wunsch von mir, dieses Grab zu besichtigen, doch irgendwas ist bekanntlich immer.
Zunächst kam Corona und mit dem ersten Lockdown die Schließung der Inseln für Touristen.
Dann kam ein Neubau auf dem Nachbargrundstück dazwischen, denn wegen den Bauarbeiten und den befürchteten Erschütterungen war der Denghoog komplett geschlossen.

Ich wollte mir den Denghoog jedoch anschauen, und wenn es nur von außen sein konnte, und da ich auch noch auf der Suche nach entsprechender Literatur war, schrieb ich kurzerhand das Heimatmuseum auf Sylt an.

Was nun folgte war ein Mailverkehr, der innerhalb von kurzer Zeit zahlreiche Neuigkeiten mit sich brachte, denn zum einen erfuhr ich, dass der Denghoog wieder geöffnet war, und zum anderen gab es im Heimatmuseum genau die Literatur, die ich brauchte.

Allerdings verhinderte ein Streik der Lokführer meine Reise im August, und anschließend wurde es bei mir beruflich knapp, so dass ich meinen Tagesausflug nach Sylt auf den September verschoben hatte.

Tja, und dann stand ich tatsächlich davor.
Seit ich das erste Mal davon gehört hatte wollte ich es sehen – den Denghoog in Wenningstedt auf Sylt.

Dieses begehbare Großsteingrab liegt unter einem 3,20 Meter hohen Hügel direkt neben einer erheblich später erbauten kleinen Kirche wurde wohl im Zeitraum zwischen 3200 und 2800 v. Chr. erbaut – also vor fast 5000 Jahren.

Es ist erstaunlich, was man damals zustande gebracht hatte, und wenn man einmal inmitten eines solchen Bauwerkes sein kann, dann kann man nicht mehr von einer primitiven Kultur reden.

Ganz im Gegenteil.

Der heutige Zugang befindet sich direkt auf dem Denghoog, denn hier hatte man auch das Grab bei der ersten Öffnung im neunzehnten Jahrhundert geöffnet.

Und dieser Zugang hat es in sich, denn sonderlich breit ist er nicht.
Muß man zunächst ein paar Steinstufen überwinden, so geht der Rest des kurzen Weges über eine schmale Treppe aus Holz.

Decke

Dann jedoch befindet man sich mittendrin in diesem beeindruckendem Bauwerk, und wenn man hier drin steht, dann glaubt man fast das Gewicht der 29 Findlinge, die das Fundament bilden, zu spüren.
In der Tat sind es 29 Findlinge, die damals hierher gebracht und verteilt wurden.
12 von ihnen wurden als Tragsteine verwendet, weitere 12 bilden die Randsteine, 3 wurden als Decksteine verwendet und 2 findet man als Türsteine im Gang.

Die Lücken zwischen den Trag- und den Gangsteinen sind mit Platten aus Rotsandstein gefüllt. Ursprünglich gelangte man durch einen sechs Meter langen und einen Meter hohen und breiten gepflasterten Gang in die Kammer, in dessen Mitte sich eine merkwürdig platzierte Türrahmenkonstruktion befindet.

In der Osthälfte der Kammer ist durch eine Doppelreihe hochkant gestellter Platten ein Quartier abgetrennt. Hier befand sich auf dem sorgsam verlegten Bodenpflaster eine Feuerstelle.

Und genau hier, mitten im Denghoog, herrscht eine ganz eigene Atmosphäre.
Es ist nicht nur das erwähnte Gewicht der Steine, das man zu spüren glaubt.
Es ist auch die Tatsache, dass man sich dort befindet, wo man früher seine Toten bestattet hatte – und genau diese Tatsache macht den Aufenthalt hier drin zu etwas Besonderem.
Ehrfurcht, das trifft es am ehesten wenn ich meine Empfindung mit einem Wort beschreiben sollte.

Ehrfurcht gegenüber den hier bestatteten und Ehrfurcht gegenüber denjenigen, die das hier erbaut hatten.

Aber nicht nur als Grabanlage ist der Denghoog etwas Besonderes.

Als das Grab im neunzehnten Jahrhundert das erste Mal geöffnet wurde, fand man es erstaunlicherweise unberührt vor; und das, obwohl die Lage bekannt und der Denghoog weithin sichtbar war.
In der Grabkammer fand man bei der Öffnung neben Bernsteinperlen, Gefäße und Scherben auch die Reste einer unverbrannten Leiche, einen Rinderzahn und Werkzeuge der damaligen Zeit.

Ich vemute, die Tatsache, das dieses Grab unberührt war, lieg auch an der Bedeutung des Denghoog.
Dieser Name stammt nämlich aus dem auf Sylt üblichen friesischem Dialekt, dem Sölring, und bedeutet übersetzt Thinghügel.
Es liegt also nahe zu vermuten, dass der Denghoog auch als Versammlungsort diente und dass deswegen das darunter liegende Grab nicht geplündert wurde, denn diese Versammlungsorte waren ja gleichzeitig auch Heilige Orte.

Denn, und nun greife ich meinem nächsten Urlaubsbericht einfach mal vor, sowas gab es auch auf Amrum.

Außerdem greife ich dem nächsten Jahr einfach mal vor, und kündige hiermit schon mal an, dass es auf Sylt noch ein paar Dinge gibt, die ich mir anschauen werde und anschauen muss.

Unter anderem einen Platz, der bis heute aufgrund seiner Vergangenheit als heiliger Platz nicht bebaut wurde.

Es scheint fast so, als wären Plätze und Orte dieser Art noch immer etwas ganz besonderes in Nordfriesland.

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