Alles Monogam?

Zum Glück leben wir in einer Gesellschaft, in der so manches zumindest toleriert wird.

Es ist egal, woran man glaubt – dem Gesetzgeber ist es, zumindest theoretisch, egal.

Auch die Art und Weise wie man liebt interessiert den Staat und die Gesellschaft nur am Rande.

Lesbisch?
Schwul?
Bi?

Nun ja, dann ist es halt so.

Selbst Affären sorgen in der Gesellschaft lediglich für ein müdes Schmunzeln, wobei es hier allerdings schon darauf ankommt wer eine Affäre hat.

Ist es ein Mann, dann ist es ein tollter Hecht und niemand spricht weiter darüber.

Beginnt eine Frau eine Affäre, dann ist sie entweder herrschsüchtig oder leidet unter Nymphomanie.

Ja, allein hier wird deutlich, dass wir von einer Gleichberechtigung scheinbar weiter entfernt sind als die Erde von der Sonne und uns in diesem Bereich mit einer Symbolpolotik schmücken wie sie typischer nicht sein kann.

Noch deutlicher wird das, wenn man sich offen zu einer Dreierbeziehung outet.

Dreierbeziehung?

Frage an Radio Eriwan: Kann man zwei Menschen gleichzeitig lieben und mit ihnen Sex haben ohne den jeweils anderen zu betrügen?
Antwort: Im Prinzip schon.

Diese alte Floskel wollte ich schon immer mal in einem Text unterbringen und damit etwas auflockern was ein ernsteres Thema ist als man vielleicht glauben mag.

Tatsächlich sind für viele Menschen sind erotische Gedanken oder Phantasien etwas völlig normales, doch es gibt auch Menschen, für die allein solche Gedanken tatsächlich ein Betrug sind.

Im Endergebis redet man offenbar auch nicht über solche Gedanken.

Ein Fehler wie ich finde, denn so entstehen Situationen, die durchaus eine Katastrophe auslösen können.

Hat man Angst als Schwächling oder, wie in diesem Fall, als Lüstling dazustehen?

Was, wenn man sich, trotz einer Beziehung, zu einer anderen Person hingezogen fühlt?

In den meisten Fällen läuft es wie folgt ab – man gibt dem inneren Drang nach und beginnt eine Affäre.

Hier kann man sich austoben und all das erleben was daheim aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist.
Was bleibt ist das schlechte Gewissen anschließend, doch ist dieser Schritt einmal getan, dann kann es durchaus auch ein Dammbruch sein.

Aber warum ist das so?

Nun, ich vermute, das es mit der Gesellschaft zu tun hat.
Eine Affäre wird mittlerweile hingenommen, doch eine Beziehung zu dritt ist nach wie vor ein Modell, dass bei so manchem Teil der Gesellschaft nach wie vor Kopfschütteln auslöst.

Was soll man aber machen wenn man liebt?
Soll man sich selbst verleugnen?
Ist es das, was die Gesellschaft möchte?

In meinen Augen sind Menschen, die sich in solch einer Situation befinden, innerlich stärker als man vielleicht glaubt, denn man kämpft nicht nur mit sich selbst sondern auch gegen die gängigen Moralvorstellungen in der Gesellschaft.

Was aber ist das nun für ein Lebensmodell?

Eine Affäre mit Gefühlen?

Ja, auch wenn es im Grunde genommen wie ein Widerspruch klingt, denn eigentlich hat man eine Affäre, weil in der Beziehung meistens etwas fehlt; Gefühle, abgesehen von der Lust, sind dort eher Fremd.

Aber es gibt sie, diese Lebenseinstellungen, die zu einer Beziehung zu dritt führen können.
Es sind keine Affären, es sind tiefe Beziehungen mit allem was dazu gehört.

Es ist Polygamie in Reinkultur.

Polygamie wird tatsächlich immer wieder falsch betrachtet, denn gerade der Beginn ist ziemlich kompliziert und kann nur funktionieren, wenn unter allen Beteiligten Ehrlichkeit und Offenheit herrscht.

Ja, meine Meinung zu den monotheisten Mythologien und deren Auswirkungen auf die heute Gesellschaft kennt sind hinlänglich, und ich kann diesen Punkt an dieser Stelle tatsächlich nur noch einmal wiederholen, denn ich bin, nach wie vor, der Ansicht, das deren Glaubensverständnis langfristig mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben.

Sicherlich, ein monoganes Leben ist keine Erfindung dieser Glaubensrichtungen, und es wurde auch schon vor ihnen verdammt und mit Sicherheit auch bestraft, aber so weit ich es weiß haben es eben diese Glaubensrichtungen, mal wieder, auf die Spitze getrieben.

Aber warum ist das nun so?
Ich vermute, es liegt an der Gesellschaft, die logischerweise schon immer eine Grundordnung brauchte wenn sei überleben möchte.

Einen Streit zwischen verschiedenen Personen konnte man da nicht gebrauchen (so groß waren die Stämme ja nicht).

Das hat sich bis in die Gegenwart gezogen und wird heute halt mit der sogenannten Moral erklärt.

Dabei ist es nicht verwerflich wenn man zwei Menschen gleichzeitig liebt – man muß es nur sagen und dazu stehen.
Ist Polygamie tatsächlich eine Bereicherung?

Nun, das muß jeder für sich selbst herausfinden, aber man sollte eine solche Art der Beziehung nicht von vornherein verurteilen.

Urteilen sollte man nur, wenn man eine solche Beziehung erlebt und genossen hat.

Ja, genossen, denn ich finde, das eine solche Art der Beziehung eine sehr große Bereicherung sein kann.

2 Antworten auf „Alles Monogam?

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  1. Sensationeller Beitrag!!!
    Ich selbst bin Polyamor veranlagt, schon immer. Ja, ich kann 2 Menschen gleichzeitig und auch GLEICHWERTIG lieben. Bei Kindern wird davon ausgegangen, dass wir Frauen dazu in der Lage sind – es wird sogar vorausgesetzt! Geht es um Partner, sieht das anders aus. Man ist immer im Druck, sich entscheiden zu müssen. Seine Gefühle zu unterdrücken, um den aktuellen Partner nicht zu verletzen, ist das grausamste überhaupt. Stellt euch vor ihr liebt und dürft diese Liebe nicht leben, müsst sie in euch gefangen halten! Nur weil andere es nicht verstehen, heißt es nicht, dass es falsch ist und erst recht nicht, dass es unmöglich ist!

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