Novembergedanken

November.

Ja, ich liebe den Herbst – aber den November liebe ich am meisten.
Das ist nun keine Modeerscheinung bei mir, nein; das war tatsächlich schon immer so.

Schon als Kind, und auch später als Jugendlicher, hielten sich meine sozialen Kontakte eher in Grenzen, und die wenigen Freunde, die ich hatte, tickten eher so wie ich.
Im Herbst, das steht außer Frage, hatte man seine Ruhe.

Aus diesem Grund fand man mich im Sommer selten draußen, im Herbst und Winter jedoch umso mehr.

Ausgiebige Spaziergängen entlang der Alten Süderelbe oder im Hafen, und wenn ich dann wieder zuhause war, dann schön vor der Heizung sitzend in eine Decke gehüllt, Tee oder Kakao auf der Heizung und einen kleinen Teller mit Keksen an der Seite während ich las oder einfach nur nach draußen schaute.

Es mag für viele vielleicht befremdlich klingen, aber so habe ich mich wohlgefühlt – und so sahen damals meine Nachmittage nach der Schule und später die Wochenenden aus.

Nun, im Grunde genommen hat sich daran nur wenig verändert (außer das die sozialen Kontakte ein wenig mehr geworden sind), und vielleicht ist das auch der Grund, wesshalb ich zu dieser Jahreszeit meinen eigentlichen Haupturlaub habe.

Hinzu kommen bei mir zwei Tage, die mir persönlich besonders wichtig sind.
Mittwoch und Freitag.

Wieso es der Mittwoch ist?
Ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung dafür, denn eigentlich war dieser Tag für mich immer die Hölle.
In der Schule war es der Tag mit den meisten Stunden, und später, im Berufsleben, der Tag mit der schlimmsten Kunden.
Erst im Laufe der Zeit hatte sich der Mittwoch zu einem für mich besonderen Tag herauskristallisiert.
Ich mache an diesem Tag nichts besonderes, aber ich versuche eben auch diesen Tag ganz bewusst zu erleben.

Bei dem Freitag tue ich es schon lange, und DAS hat einen besonderen Grund.
Früher, ja, mittlerweile bin ich in einem Alter, indem ich so beginnen kann, war der Freitag nicht nur der letzte Schultag der Woche.
Es war der Tag, an dem wirklich nichts mehr gemacht wurde.

Nach der Schule ging es in einen kleinen Lebensmittelladen und dort wurden Kekse für das Wochenende gekauft (und ja, sie hielten tatsächlich bis Sonntag).

Am späten Nachmittag hatte ich zum ersten Mal in der Woche den Fernseher kurz an, denn im ersten Programm lief eine Reihe, die nannte sich „Vorhang auf, Film ab“.

Kino im Fernsehen für Kinder und Jugendliche, sowas kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen.
Damals aber war es so, und das Vorprogramm, wenn man es denn so nennen mag, war für mich meistens der eigentliche Grund für diese Reihe, denn dort liefen kurze Serien, wobei eine Folge in der Regel nur eine halbe Stunde dauerte.

Hängengeblieben ist eine Serie namens „Komm zurück, Lucy“, in der es um ein Mädchen ging, das mit einem Geist redete und auch in die Vergangenheit abtauchte.

Aber der Fernseher war nicht das Wichtigste.
Das war er nie, und das wird er auch nie sein, denn was das angeht steht das Radio bei mir immer noch an erster Stelle.

Hörspiel im Radio sind für mich schon immer etwas Besonderes, und im Herbst hat dieser Zauber noch nmehr Kraft inne.

Früher dachte wir immer, wenn im November der Nebel durch sie Straßen zieht gehen die Geister umher.
Solche Geschichten haben wir uns immer ausgedacht, und wenn ich jetzt erwähne, dass ich quasi gegenüber von einem Friedhof geboren und aufgewachsen bin, dann verleiht diese Tatsache dem ganzen vielleicht etwas makabares.
Doch makaber fand ich manchmal lediglich das Leben.

Heute, am 11. November 2020, war wieder so ein Tag.
Schon die ganze Woche lag Hamburg unter einer Hochnebeldecke, und heute zogen die Nebelschwaden erneut durch die Straßen.
Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich das jetzt schreibe, denn diese Gedanken habe ich schon den ganzen Tag.

Seit meinem ersten Tee, den ich zusammen mit einer Zigarette auf dem Balkon genossen hatte, hatte ich diese Erinnerungen.
Sicherlich, es ist nicht das erste Mal, doch so intensiv wie heute waren sie noch nie.

Es ging soweit, dass ich mir Nachmittags eine Kanne Tee gemacht hatte, den kleinen Teller mit den Keksen neben mir stellte und eine gut gestopfte Pfeife genoss während ich mich von der Musik im Radio beeinflussen ließ.

Ja, Urlaub ist schon was feines, aber Urlaub im November hat für mich einfach einen ganz besonderen Charme.

Eine Antwort auf „Novembergedanken

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  1. Schöner Artikel – und mir ergeht das so ähnlich. Als Novemberkind war natürlich der November mein Lieblingsmonat. Aber nicht, wie alle dachten, wegen meines Geburtstag – nein, der November ist die Ruhe vor dem Sturm – vor der Weihnachtszeit, in der man von einer Besinnung zur nächsten eilt und die eigentlich nicht so schön ist, wie das, wozu wir sie machen wollen – weil wir vor lauter Planungsstress und Perfektionsdrang gar nicht zum genießen kommen.
    Als introvertiertes Kind mit wenig Freunden war mir klar – der November kann mehr, als die Menschen ihm zutrauen 😉

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